Sylvia Löhrmann \ Wahlkreis \ Solingen

Solingen – das grüne Puzzle an der Wupper

SOLINGEN - das ist mehr als eine Stadt, es ist die Summe vieler, früher eigenständiger kleiner Städte und Ortschaften wie Ohligs, Merscheid und Aufderhöhe, Höhscheid, Mitte, Gräfrath, Wald und Dorp. Manchmal hat man den Eindruck, dass die schon vor 80 Jahren in einer Gebietsreform zusammen gefasste Stadt, zu der später auch noch Burg an der Wupper hinzukam, immer noch nicht zusammen gewachsen ist. Noch heute sagt ein Ohligser, er käme nach Solingen, obwohl er einfach ins Stadtzentrum fährt.

Auch wenn ich in Essen groß geworden bin, ist mir die Stadt mit all ihren Eigenheiten mittlerweile ans Herz gewachsen und zu meiner Heimat geworden. Hier habe ich meine Berufslaufbahn an der Gesamtschule begonnen, hier bin ich in die (Kommunal-)Politik eingestiegen.

Solingen ist – wie im übrigen alle drei Bergischen Städte – für Ortsfremde eine sperrige Stadt; nicht nur, weil man sich ständig verfährt. Aber wer sich darauf einlässt, wird das Liebens- und Lebenswerte der Klingenstadt schnell entdecken.

Etwa die Topographie und die Naturschönheiten in und um Solingen: die Sengbachtalsperre, der wunderschön gewundene, Wald gesäumte Lauf der Wupper und die vielen Bachtäler bieten praktisch jedem Bewohner der Stadt die Möglichkeit zu fußläufiger Naherholung un zu einem Waldspaziergang direkt vor der Haustür. Wer gut zu Fuß ist, kann Solingen auf dem Klingenpfad erwandern. Die Korkenziehertrasse verbindet als umfunktionierte Bahntrasse die Stadtteile auf ebener Strecke, was es Solingen sonst nicht gibt.

Auch wer Interesse an Stadtentwicklung hat, ist in der Klingenstadt richtig. Denn Solingen ist die Stadt der Bauvereine. Schon früh haben sich hier die Wohnungsbauvereine unterschiedlicher Berufsgruppen gebildet, die mit für den Beginn des 20. Jahrhunderts wegweisenden Wohnbauprojekten das Gesicht der Stadt prägten. Die Überzeugung, dass jeder Familie neben Wohnraum, integrierter Wasserversorgung und Heizmöglichkeit auch ein Garten für die eigene Versorgung zur Verfügung gestellt werden müsste, führte dazu, dass auch in den Bauvereinssiedlungen das Grün vorherrschende Farbe ist. Die Gärten gibt es immer noch, auch wenn sie meist für´s Grillen anstatt für die Selbstversorgung genutzt werden – “Schrebergärten” einmal anders.

Daneben gibt es in meiner Stadt noch viele kleine „Hofschaften“, Häuschen im typisch Bergischen Stil, Fachwerk- und Schieferhäuser, dicht an dicht gedrängt, oft liebevoll restauriert und mitten im Grünen gelegen.

Und natürlich gibt es Gräfrath – die Solinger Puppenstube, ein Muss für jeden Gast. Hier, in einem der gemütlichen Kaffeehäuser die Bergische Kaffeetafel genießen – da braucht es wenig mehr, um glücklich zu sein!

Aber natürlich gibt es auch die andere Seite der Stadtentwicklung: der Bombardierung der Stadt während des Zweiten Weltkrieges folgten die Bausünden der 60er und 70er Jahre mit übergroßen Autoachsen durch die Stadt. Die Innenstadt wurde erst wieder durch Beschlüsse der 90er Jahre “zurückerobert” . Die Umgestaltung der Nordstadt in Solingens Mitte bleibt eine der großen Aufgaben der nächsten Jahre!

Solingen hat auch kulturell einiges zu bieten – in den vier großen Museen (Museum Baden, Deutsches Klingenmuseum , Schloss Burg und Rheinisches Industriemuseum); aber auch mit den Bergischen Symphonikern und der „Künstlerkolonie“ am ehemaligen Solinger Hauptbahnhof, wo sich auch das Museum Plagiarius befindet. Neben vielen kleinen Museen, etwa den Kotten im Tal der Wupper, verfügt Solingen zudem über eines von weltweit drei Dick&Doof-Museen.

Und auch sportlich ist die Stadt auf der Höhe: in einigen Sportarten (etwa Schach, Fechten, Handball) spielen und kämpfen Solinger Vereinsmitglieder ganz oben mit, bei anderen (etwa Fußball) warten wir noch auf bessere Zeiten. Einstmals richtete Solingen sogar die Radweltmeisterschaft aus, 1954 war das – und noch heute finden hier so genannte Steherrennen statt.

Weltberühmt sind die Klingen aus Solingen – Messer, Scheren, alle Arten von Schneidwaren – made in Solingen ist eine Marke. Wo immer auf dieser Welt gespeist wird: Solinger Besteck ist dabei. Das ist aber mehr genug,  es muss schon jetzt darum gehen, zukunftsfähige Arbeitsplätze für eine Stadt im 21. Jahrhundert zu schaffen und zu halten. Der Strukturwandel muss aktiv gestaltet werden. Dafür brauchen Städte wie die drei Bergischen viel Unterstützung – von allen Ebenen, Land, Bund und EU!

Solingen hat große finanzielle Probleme. Die Haushaltslage ist – wie in allen drei Bergischen Städten – katastrophal, es wird in den kommenden Jahren darum gehen, auf Landes- und Bundesebene dafür zu kämpfen, dass den überschuldeten Kommunen endlich geholfen wird: Wir brauchen dringend einen kommunalen Rettungsschirm mit einer Gemeindefinanzreform, die die Einnahmen der Städte und Gemeinden verstetigt und von wirschaftlichen Schwankungen unabhängiger macht. Und wir müssen dafür sorgen, dass gerade die strukturschwachen Kommunen an Förderprogrammen von Land, Bund und EU teilnehmen können. Alles andere führt zu wachsenden sozialen Spannungen zwischen reichen und armen Kommunen!

Ich verstehe mich als Anwältin für die Interessen der Kommunen und setze mich dafür ein, dass Städte wie Solingen lebendig und lebenswert bleiben, damit die Menschen vor Ort auch weiterhin gerne in ihren Städten wohnen.