Gerechte Globalisierung
Gerechte Globalisierung entsteht, wenn alle Menschen Zugang zu Bildung, ausreichender Nahrung, sauberem Wasser sowie medizinischer Versorgung haben. Davon sind wir sehr weit entfernt. Gerechte Globalisierung ist nicht einfach nur Umverteilung, sie muss, wenn sie nachhaltig sein will, als Teilhabe- und Chancengerechtigkeit aller Menschen verstanden werden. Das bedeutet, dass wir die Strukturen aller Bereiche des internationalen Zusammenlebens grundlegend verändern und am Ziel der Teilhabegerechtigkeit orientieren müssen.
Im 21. Jahrhundert sprechen wir von der Welt als Dorf, das Internet macht es möglich, jederzeit mit Menschen auf der ganzen Welt zu kommunizieren. Diese virtuelle Nähe spiegelt sich in den direkten Zusammenhängen von Aktion und Reaktion in allen Bereichen der Welt. Der berühmte Flügelschlag eines Schmetterlings im Dschungel Brasiliens, der einen Tornado verursacht, versinnbildlicht diese Reaktionszusammenhänge trotz geographischer Entfernung.
Globale Gerechtigkeit ist ohne das Wissen um die globalen Reaktionszusammenhänge nicht herzustellen. Die medienwirksame Aktion der Regierung der Malediven, nämlich unter Wasser zu tagen, um deutlich zu machen, dass der Klimawandel die Inselgruppe im wahrsten Sinne des Wortes verschlingen wird, macht vor allem eines deutlich: die Art, wie wir in den Industrieländern produzieren, zerstört am anderen Ende der Welt die Lebensgrundlage ganzer Völker.
Der CO2-Ausstoß eines Durchschnittsdeutschen liegt zwar deutlich unter dem eines Durchschnittsamerikaners, aber immer noch weit davon entfernt zu garantieren, dass sich die Erderwärmung auf + 2° begrenzen ließe. 2° ist jedoch nach Meinung der Forschungsinstitute die Erwärmung, die gerade noch beherrschbar wäre. Das heißt, 2° Erderwärmung würde in den Auswirkungen auf das Klima (Verstärkung von Extremwetterlagen wie Dürre, Abschmelzen der Polkappen, usw.) vermutlich noch nicht dazu führen, dass extreme Wanderungsbewegungen oder sogar kriegerische Auseinandersetzungen um Ressourcen entstehen. Wir sollten also alle ein gesteigertes Interesse daran haben, Globalisierung gerecht zu gestalten.
Was aber heißt das konkret?
Die Ziele sind formuliert: im Jahre 2000 wurden die so genannten Milliumsziele von Vertreterinnen und Vertretern aus 189 Ländern auf einem Gipfel der Vereinten Nationen verabschiedet. Die acht Ziele
- Senkung des Anteils der Menschen, die arm sind und hungern, um die Hälfte
- Garantie einer Grundschulausbildung für alle Kinder
- Gleichstellung der Geschlechter und Stärkung der Rolle der Frauen
- Senkung der Kindersterblichkeit
- Verbesserung der Gesundheitsversorgung von Müttern
- Bekämpfung von HIV/Aids, Malaria und anderen schweren, übertragbaren Krankheiten
- Verbesserung des Umweltschutzes
- Aufbau einer globalen Partnerschaft für Entwicklung
sollen bis 2015 umgesetzt werden. Diese Ziele sind vage, nicht beziffert, von daher nicht kontrollierbar – und trotzdem sind wir ihnen in den letzten 9 Jahren nicht wirklich näher gekommen.
Damit wir endlich mehr erreichen, müssen wir bei uns, vor Ort beginnen. Das fängt natürlich mit dem eigenen Konsum an, denn wir haben unsere gesündere Umwelt erkauft, indem wir viele unserer Umwelt- und Sozialsünden exportiert haben. Der Turnschuh für 15 Euro wird jetzt eben in China produziert und nach Deutschland importiert. Damit haben wir – vermeintlich – nichts mehr mit dem Produktionsprozess zu tun.
Wir Grüne fordern schon seit langem eine Politik, die sich am Prinzip der Nachhaltigkeit orientiert. Wir müssen endlich ernsthaft daran gehen, der industriellen Revolution eine ökologische Revolution folgen zu lassen. Nur dann haben wir eine Chance, die Milleniumsziele (irgendwann) zu erreichen.


