Mein Weg in der Politik
Erst einmal bin ich ein Kind des Ruhrgebiets. In Essen bin ich 1957 geboren – und als meine Familie 1970 nach Witten-Herbede zog, bestand ich als Dreizehnjährige darauf, weiter in meiner Heimatstadt auf das katholische Mädchengymnasium BMV zur Schule zu gehen.
Auch nach der Schule blieb ich dem Ruhrgebiet treu. Ich wollte Lehrerin werden und studierte dafür in Bochum. Das anschließende Referendariat machte ich in Duisburg.
Der richtige Berufseinstieg als Lehrerin für Deutsch und Englisch verschlug mich dann 1984 – als eine von 50 Neueinstellungen in NRW! – nach Solingen im Bergischen Land. Und dort auch ziemlich schnell zu den örtlichen Grünen.
Genau hier, in der Solinger Kommunalpolitik, habe ich eine ganze Menge gelernt, insbesondere was Politikmanagement betrifft. Neun Jahre lang war ich neben meiner Arbeit an der Solinger Gesamtschule Ratsmitglied und Fraktionssprecherin der Grünen.
Im Oktober 1995 rückte ich in den Landtag nach, weil Bärbel Höhn Ministerin geworden war und ihr Abgeordnetenmandat zurück gegeben hat. Sicher wegen meiner kommunalpolitischen Erfahrung mit einer rot-grünen Einstimmen-Mehrheit im Solinger Rat wurde ich Mitglied des Koalitionsausschusses auf Landesebene und habe die rot-grüne Regierungszeit aus nächster Nähe und intensivst mit erlebt und mit gestalten können. Meine ersten parlamentarischen Erfahrungen sammelte ich im Kommunal- und im Frauenausschuss. Als Mitglied der so genannten ifo-Kommission habe ich an der Weiterentwicklung des kommunalen Finanzausgleichs mitgewirkt. Ein Glanzstück im Frauenausschuss waren die Verhandlungen und die Verabschiedung des Frauengleichstellungsgesetzes in NRW, mit dem z.B. die hauptamtlichen Gleichstellungsbeauftragten auch in den Kommunen verankert wurden – eine Errungenschaft, die sich Schwarz-Gelb nicht getraut hat, wieder abzuschaffen!
Nach drei Jahren im Landtag machte mich die grüne Fraktion 1998 zur Parlamentarischen Geschäftsführerin und 1999 zur Fraktionssprecherin. Nach der Landtagswahl 2000 wurde ich von der Fraktion einstimmig zur Fraktionsvorsitzenden gewählt.
Eine ziemlich steile Karriere für eine Frau, die eigentlich eher zufällig in der Berufspolitik gelandet ist. Begünstigt wurde dieser Aufstieg sicher dadurch, dass ich mich neuen Herausforderungen sehr gerne und mit viel Leidenschaft stelle.
Von 2000 bis 2005 habe ich mich außerdem fachlich um eines meiner großen politischen Themen gekümmert: Ich war bildungspolitische Sprecherin der Landtagsfraktion und habe die Programmatik der Grünen infolge der alarmierenden PISA-Ergebnisse auf Landes- und Bundesebene maßgeblich vorangetrieben und geprägt.
2005 wurde ich erneut einstimmig als Fraktionsvorsitzende wiedergewählt – angesichts der Oppositionsrolle eine neue und herausfordernde Aufgabe. Die Fraktion und auch ich als Vorsitzende haben diese Aufgabe schnell angenommen, und wir haben uns inhaltlich neu und - wie ich finde – gut aufgestellt.
Im November 2009 hat mich dann die Landesdelegiertenkonferenz der Grünen mit großer Mehrheit zur Spitzenkandidatin für die Landtagswahl im Mai 2010 gewählt. Für die Direktkandidatur im Wahlkreis Solingen hat mich mein Kreisverband einstimmig aufgestellt. Der Rest ist bekannt: aus grüner Sicht kam es zu einem fulminanten Wahlerfolg, der wiederum wesentlich dazu beitrug, dass NRW bis zur Neuwahl im Mai 2012 von einer rot-grünen Minderheitsregierung geführt wurde. Nach erfolgter Neuwahl kann ich nun in einer soliden rot-grünen Koalition weiterhin als Ministerin für Schule und Weiterbildung und als Stellvertretende Ministerpräsidentin mitarbeiten.


