Sylvia Löhrmann \ Archiv nach Kategorie 'Blog'

Unterwegs in Sachen Bildung in Düsseldorf und Gelsenkirchen

Diskussion zum Bochumer Memorandum

In keinem anderen Land der OECD hängt der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft ab wie Deutschland. Und in Nordrhein-Westfalen gilt das ganz besonders. Das ist das erschreckende Ergebnis einer heute veröffentlichten Studie.

Das Bochumer Memorandum von 2005, von GEW und DGB entwickelt, hatte zehn Ziele für die Bildungspolitik bis 2010 formuliert, die wissenschaftlich begleitet und evaluiert wurden. Das Ergebnis: Die soziale Spaltung in der Bildung ist unter Schwarz-Gelb gewachsen.

Beispiele: Es gibt zwar erheblich weniger Sitzenbleiber, aber nicht an der Hauptschule. Und es bleibt bei der viel zu hohen Quote von jungen Leuten, die überhaupt keinen Schulabschluss bekommen.

GEW und DGB haben diese Ergebnisse heute vorgestellt und in der Handwerkskammer Düsseldorf diskutiert. Klaus Kaiser (CDU) und Ralf Witzel (FDP) bildeten schnell ein Lager – erschreckend, wie stark die Beharrungskräfte am Aussortieren im gegliederten Schulsystem bei den beiden sind.

Erfreulich dagegen ist, dass sich Ute Schäfer von der SPD auch unserem Weg der Schulentwicklung angeschlossen hat: Die Schule der Zukunft kann nur von unten entwickelt werden kann, gemeinsam mit den Städten und Gemeinden, den Eltern, den Lehrkräften, den Schülerinnen und Schülern. Große Einigkeit für den Weg, den wir seit langem beschreiben.

Amüsant war ein kleiner Disput mit Klaus Kaiser. Der versuchte aufgrund fehlender Argumente ein kleines Ablenkungsmanöver: „Jetzt haben Sie das Bewerbungsschaulaufen einer ehemaligen Schulministerin und einer, die es werden will, erlebt.“ Mein Konter: „Das ist der pure Neid.  Sie von der CDU wären doch froh, wenn Sie nur eine einzige Person hätten, die dieses wichtige Amt vernünftig ausführen kann.“ Ich vermute mal, dass nicht wenige aus dem Publikum Frau Sommer im Kopf hatten, als sie herzlich lachten – und selbst Kaiser hob dafür seinen Daumen.

In der anschließenden Expertenrunde forderten beinahe alle Vertreter längeres gemeinsames Lernen – verbunden mit besserem Unterricht. Also genau unser Mantra: innere und äußere Schulreform gehören zusammen.

Kinderfreundliches Gelsenkirchen

Auch in Gelsenkirchen ein Podium, allerdings nur von Grünen besetzt. Gemeinsam diskutierte ich bei dieser Wahlkampfveranstaltung mit den Gelsenkirchener Landtagskandidaten Paul Humann und Dennis Melerski, dem schulpolitischen Sprecher der Grünen Ratsfraktion David Fischer und natürlich dem Gelsenkirchener Bildungsdezernenten, Manfred Beck. Und ich fand es klasse zu hören, dass Gelsenkirchen unter den fünf verbliebenen Kandidaten für den European Award of Excellence „City for Children“ ist – als letzte deutsche Stadt.

Das ist ein toller Erfolg – und Gelsenkirchen ein Beispiel, wie sich auch eine arme Stadt um beste Bedingungen für die Kinder sorgt und Erfolge erzielt. Weil Gelsenkirchen unter Rot-Grün erkannt hat, dass die Zukunft von der Bildung der Kinder abhängt. Manfred Beck, der Grüne Bildungsdezernent sagte dazu prägnant: „Unsere Schulen sind nur gut, weil unsere Straßen schlecht sind.“ Es ist angesichts der Finanzlage der öffentlichen Haushalte eben auch eine Frage der Prioritäten.

Doch Gelsenkirchen ist auch ein Beispiel für die Emotionen, die der CDU/FDP-Schulkrieg hervorruft. Da geht es um das Schalker Gymnasium, das zur Debatte steht – schlicht, weil die Schülerzahlen in der gesamten Stadt fast um die Hälfte geschrumpft sind. Der politische Gegner aber nutzt das für die Schulstrukturdebatte. Betroffene und engagierte Eltern diskutierten mit uns – und das war richtig spannend. Sie haben bestätigt: Sie wollen ihre Kinder nicht auf die Hauptschule schicken, aus Angst vor fehlender Perspektive. Es hat mir auch wieder bewiesen: Die richtige Schulentwicklung muss vor Ort entschieden werden, im Konsens mit möglichst vielen Beteiligten. Nur so können wir die Ängste nehmen und zum Aufbruch zur Schule der Zukunft gelangen. Wenn aber Schulentwicklung vor Ort in den Schulkriegs-Wahlkampf gezogen wird, dann gibt es Streit und eben keine Entwicklung. Ein spannender Bildungstag und Bildungsabend.

Aktuell,Blog · Mittwoch, 21. April 2010 · weiterlesen »

Von Ennepetal über Bielefeld nach Hörstel

Das fängt ja gut an: Sechs Kilometer zähflüssiger Verkehr vor dem Kreuz Hilden – und das schon am frühen Morgen. Ich bin gerade von André abgeholt worden, dem Tourfahrer von der Landesgeschäftstelle, und heute mit Sylvia Löhrmann einen Tag unterwegs zu mehreren Terminen im weiten Lande NRW. Ich bin Gerhard Sauer, im sonstigen Leben Vorstandsreferent der Fraktion, und heute: Begleiter, Chronist, Fotograf, Organisator. Ich lass mich überraschen.

NRW ist voll

Gestern Bundespressekonferenz in Berlin und abends Bildungstour in Langenfeld, heute Ennepetal, Bielefeld und Hörstel (in der Nähe von Osnabrück) – diese Frau reißt ein Programm ab, das ist schon heftig. Und meist bei guter Laune – auch schon am frühen Morgen. Immerhin scheint ja auch die Sonne und eine leichte Kühle am frühen Morgen macht frisch für einen langen Tag.

Eine erste Sicht der Presselage nach dem gestrigen Termin in der Bundeshauptstadt zusammen mit Hannelore Kraft, und den Bundesvorsitzenden von Grünen und SPD, zaubert ein Lächeln auf das Gesicht der Spitzenkandidatin: Volltreffer! Nicht nur alle elektronischen Medien haben berichtet, auch in fast allen Zeitungen sind die Botschaften gesetzt: Selbstbewusste Grüne! – Wir wollen rot-grün! – CDU und FDP werden zunehmend nervös! Die Fahrt nach Berlin hat sich gelohnt.

Besuch bei der biologischen Station in Enneptal

Gruppenbild - Besuch bei der biologischen Station Ennepetal

Und jetzt, heute morgen, wieder ein Kontrastprogramm: die Biologische Station in Ennepetal wartet auf uns. Das ist wieder konkrete Politik vor Ort, die Mühen der Ebene. Wir sind pünktlich und Dirk Jansen, der Leiter der Station begrüßt uns schon auf der Treppe. Eine sehr herzliche Atmosphäre erwartet uns, man spürt das große Engagement der Mitarbeiterinnen an vielen Stellen: die Einrichtung des Schulungsraums ist wirklich gelungen. Umweltbildungsprojekte stehen neben den üblichen Aufgaben einer Biologischen Station hier in Ennepetal im Vordergrund. Da geht einer Bildungspolitikerin natürlich das Herz auf! Hier wird deutlich, welchen großen Stellenwert eine vernetzte, interdisziplinäre Bildung haben könnte. Welchen Stellenwert Natur und Naturschutz gerade in der modernen Welt haben und haben müssen, welche nachhaltigen Natur-Erlebnisse für Kinder geschaffen werden können.

Die Unterstützung dieser Arbeit wollen wir Grüne nicht nur sichern, sondern ausbauen. So stehts im Wahlprogramm – und jedes Gespräch bestärkt in diesem Weg. Umweltschutz ist halt mehr als nette Worte und Hochglanzbroschüre – sondern harte Arbeit vor Ort. Großen Dank an Dirk Jansen und seine MitstreiterInnen im Ennepe-Ruhr-Kreis und in Hagen!

Mit dem grünen Direktkandidaten Justus Koch

Gespräche in Bielefeld

Weiter gehts nach Bielefeld. Dort werden wir schon von Marianne Weiß, der Grünen-Geschäftsführerin, erwartet. Die “Neue Westfälische” erwartet zum Redaktionsgespräch. Eine Stunde wird Sylvia “gelöchert”: Schulpolitik, Energie, Kommunalfinanzen, Mobilität, Altenpolitik: ein Parforce-Ritt durch die Landespolitik. Und die Koalitions-Farben-Lehre als Sahnehäubchen obendrauf. Doch die Redakteure sind heute ganz entspannt, fast ein Heimspiel.

Die Online-Redaktion will auch noch ein kurzes Interview. Kleine Gespräche noch am Rande, ein paar Häppchen und weiter geht’s.

Ein Haus weiter. Zu Radio Bielefeld, ein Live-Interview. Wir werden mit Handschlag sehr freundlich begrüßt, kurze Info für Sylvia über den Ablauf und dann ab ins Studio. Sehr nett hier, sehr offene Redakteure. So macht der Tag doch Spaß.

Zwischendurch muss ein Pressemitteilung abgesegnet werden (“Da hab ich ausnahmsweise mal überhaupt nix zu verbessern – ich bin begeistert!!”), ein paar Zitate müssen abgestimmt werden.

Durchschnaufen vor dem nächsten Termin. Es ist Zeit für einen Cappuccino im Café. Wir können sogar draußen sitzen und den Frühling ein paar Minuten genießen. Sylvia und Marianne nutzen die Gelegenheit für “Frauengespräche” :-) . Handtaschen, das große Mysterium für Männer. Ich ergreife die Gelegenheit, privat zu telefonieren.

Viele Fragen bei der “Schulsprechstunde”

Eine “Schulsprechstunde” haben die Bielefelder im Cafe Nio am Rathaus organisiert. Hier sind allerdings ein paar harte Brocken zu meistern. Engagierte BildungspolitikerInnen haben sich eingefunden und insistieren: “Warum nicht Gesamtschulen sofort und überall und für alle?” , “Wollt ihr die Hauptschulen nicht doch abschaffen?”, “Was machen wir mit hochbegabten Kindern?”, “Wo bekommt ihr die Ressourcen her, die für die ‘Schule der Zukunft’ notwendig sein werden?”, “Mit wem und wie schnell und vor allem mit wem wollt ihr das alles umsetzen?”. Sylvia ist ganz schön gefordert – aber hier zeigt sich die Meisterin. Sie geht auf alle ein, erläutert, erklärt, nimmt mit, wirbt. Die zwanzig Anwesenden, die hier nachmittags um 15 Uhr eine Grüne Veranstaltung besuchen, nehmen eine Menge mit.

Der Moderator hat viel zu tun bei der Schulsprechstunde in Bielefeld

So. Bielefeld ist gleich Vergangenheit. Allerdings nur für heute.

Gleich machen wir uns weiter auf den Weg ins nördliche Münsterland. Nach Hörstel-Riesenbeck. Rainer Lagemann, grünes Urgestein vor Ort, hat eine Veranstaltung organisiert. Thema: Bildung - was sonst. Das ist DAS Thema dieses Wahlkampfs. Mal sehen, was uns dort erwartet.

Zu erst einmal geht es über die Dörfer – über Steinhagen und Versmold, kurz durch Niedersachsen, dann Lengerich und Ladbergen und Saerbeck, während wir das Interview von vorhin Korrektur lesen.

Schmucke Orte, große Höfe, saftige Wiesen, alles blüht und strahlt. Ein kurzer Stopp zwischen Wiesen und Feldern, wir lassen uns den Wind um die Nase wehen, gehen ein paar Schritte. Letzte Etappe.

Bei der Diskussion in Bielefeld mit Karl-Ernst Stille (grüner Direktkandidat)

Irgendwie hatte ich mir Hörstel-Riesenbeck ganz anders vorgestellt, aber es ist wirklich nett hier. Hier im nördlichsten Zipfel NRWs. Im Hotel Strathmann findet die Veranstaltung statt, eine wirklich einladende Gaststätte. Gutes Essen, lecker Sauerländer Pils – “watt willste mehr?”.

Station der Bildungstour in Hörstel

Der Waldbauernpräsident Heeremann hat mitbekommen, dass Sylvia “in seiner Gegend” ist. Er hat sich aufgeregt über das grüne Baumplakat “Ihm können wir nichts abschlagen” – und bringt mit einer netten kleinen Geste seine abweichende Meinung zum Ausdruck: einen Zeitschriftenständer aus Holz, gefüllt mit der Postille und dem Werbematerial seines Verbandes sowie dem Hinweis, dass eine Waldbewirtschaftung sinnvoll und richtig und notwendig sei.

Bildungsveranstaltung in Hörstel-Riesenbeck mit Simon Hiller und Dr. Marlene Klatt

Angela Hebeler aus der Landesgeschäftsstelle der Grünen, die die Bildungstour organisiert, hat mittlerweile zusammen mit den örtlichen Grünen das Equipment für die Veranstaltung aufgebaut und übernimmt auch die Moderation. Immerhin fast 40 Gäste sind gekommen, um sachkundig über Bildungspolitik zu diskutieren und sehr viele sehr konkrete Fragen an Sylvia und die örtlichen LandtagskandidatInnen zu stellen. Kurz vor Neun ist dann Schluss, nur für ein paar Gespräche am Rande ist dann doch noch Zeit.

Auf dem Weg zurück (Andre fährt wie immer vorbildlich, ruhig, besonnen), macht sich Sylvia über einige Vorbereitungen für den nächsten Tag her, unterschreibt Autogrammkarten, arbeitet ihre Mappen durch, verteilt Arbeitsaufträge.

Morgen früh steigt sie wieder um 8 Uhr ins Auto und weiter gehts: nach Düsseldorf, nach Dortmund, nach Düsseldorf, nach Gelsenkirchen. Und ich werde im Büro die Lage peilen, wahrscheinlich rund hundert Mails bearbeiten, mit den KollegInnen die Wahlprüfsteine endlich beantworten und und und. Noch 19 Tage. Dann machen wir mehr möglich.

Sylvia während einer kurzen Verschnaufpause

Aktuell,Blog · Dienstag, 20. April 2010 · weiterlesen »

Live-Blog: Bundesfrauenkonferenz in Bonn

In unserem Wahlkampf sprechen wir Grüne oft von unserem Green New Deal. Ein Green New Deal nicht nur für NRW, sondern für ganz Deutschland. Die Bundesfrauenkonferenz in Bonn greift den Green New Deal auch noch einmal unter dem Gender-Aspekt auf. Unser Deal ist nicht nur gut für das Klima, soziale Gerechtigkeit und unsere Konjunktur, sondern der Green New Deal ist auch ein guter Deal für Frauen.

Judith Hasselmann, Sylvia und Renate Künast, Foto: Christian Zett

Sylvia nimmt selbstverständlich an der Bundesfrauenkonferenz in Bonn teil und wird dieses Mal wieder von einem kleinen Team begleitet. Zum einen ist das Andre Moser, Sylvias Fahrer, und zum anderen ich, Kristina Beer, Volontärin der Grünen Pressestelle im Landtag. Zusammen versuchen wir  ein möglichst lebendiges Bild von der Veranstaltung, aber auch von unserer Spitzenkandidatin zu geben.

Claudia Roth entlarvt Jürgen Rüttgers’ Alleinerziehenden-Kampagne

Claudia Roth, Foto: Christian Zett

Die Bundesfrauenkonferenz ist um 12 Uhr gestartet. Momentan spricht Claudia Roth zu uns. Sie zieht Bilanz in der Frauenpolitik und lenkt auch den Blick auf die Bundes- und Landespolitik. Besonders ärgerlich ist für sie, dass Jürgen Rüttgers momentan eine Kampagne für Alleinerziehende macht, ohne für den Mindestlohn zu sein. Dass man auf der einen Seite feststellt, dass gerade Alleinerziehende oft in prekären Verhältnissen leben müssen, schlecht bezahlt werden und besonders eine flächendeckende Betreuung und den betreuten Ganztag in der Schule brauchen, und dann auf der anderen Seite  beim Mindestlohn bremst, nur auf Tagesmütter setzt und den Ganztag blockiert – das ist heuchlerisch!

Auch für unsere Grünen Männer regt Claudia noch mehr Engagement für wahre Gleichberechtigung an. Damit spielt sie auch auf das Grüne-Männermanifest an. Gerade die Unterzeichner dieses Manifestes sollten und könnten nun voran schreiten und als Männer einfordern, dass Frauen endlich gleich bezahlt werden und nicht einen Abschlag von bis zu 23 Prozent des eigentlichen Lohnes hinnehmen müssen, nur, weil sie Frauen sind.

Ein Gleichstellungsgesetz ist Pflicht

Um Gleichberechtigung zu schaffen, brauchen wir ein richtiges Gleichstellungsgesetz für die Wirtschaft. Denn ohne Quotenregelung stoßen Frauen immer noch an die gläserne Decke, werden nicht richtig gefördert und  schlechter bezahlt.

Claudia Roth, Foto: Christian Zett

Claudias Rede war eine gute Einstimmung für die vielen Workshops, die die Bundesfrauenkonferenz anbietet. Unter anderem wird besprochen, ob das Alleinernährermodell am Ende ist, wie es möglich ist,  Frauen zu mehr Unternehmensgründungen zu bewegen, und ob diese nicht auch gerade für Migrantinnen eine besondere Chance bieten.  Ein dritter Workshop befasst sich mit der Frage, ob ein neues Frauenbild mit den Medien durchgesetzt werden kann. Außerdem wird noch die Vielfältigkeit von Familienformen besprochen und die neuen Jobs in neuen Branchen – auch für Frauen.

Der Schlüssel zum Erfolg

Astrid Rothe-Beinlich und Claudia Roth überreichen Sylvia den 'Schlüssel zum Erfolg', Foto: Christian Zett

Sylvia trifft durch einen Stau gerade noch zum Ende von Claudias Rede im Brückenforum in Bonn ein. Heute morgen machte sie noch in Solingen-Ohligs Wahlkampf in der Fußgängerzone. Direkt nach ihrem Eintreffen wird die Bundesfrauenkonferenz noch mit einer symbolischen Aktion eingestimmt.  Claudia Roth und Astrid Rothe-Beinlich (frauenpolitische Sprecherin im Bundesvorstand der Grünen) überreichen Sylvia den  ‘Schlüssel zum Erfolg’ für Gleichstellung.

Podiumsdiskussion: Grünes Wirtschaften

Astrid Rothe-Beinlich leitet die Podiumsdiskussion, Foto: Christian Zett

Um 13:30 Uhr wird auf dem Podium der Themenkomplex ‘Grünes Wirtschaften – sozial und gerecht’  diskutiert.  Besonders der Mindestlohn und ein Gleichstellungsgesetz für die Privatwirtschaft werden hier noch einmal angesprochen. Ebenso werden aber auch flexible Arbeitszeitmodelle vorgestellt und die Biografien der Diskutierenden als Input eingebracht. Sibylle Stauch-Eckmann (Geschäftsführerin der ENDO-Klinik Hamburg) berichtet zum Beispiel von ihrem Werdegang als Ärztin mit Kindern.  Annelie Buntenbach (DGB-Bundesvorstand) kritisiert besonders die Zunahme der Zeitarbeitsverhältnisse. Sie fordert mehr Regulierungen in der Zeitarbeit, mehr Absicherung für die Beschäftigten und einen Mindestlohn von mindestens 8,50 Euro. Es soll keine Beschäftigungsverhältnisse erster und zweiter Klasse geben. Ariane Durian, Bundesvorsitzende des Interessenverbandes Deutscher Zeitarbeitsunternehmen und Chefin des Personaldienstleisters Connect, erzählt, welche Erfahrungen sie als Unternehmensgründerin gemacht hat. Ihr besonderes Anliegen abseits von Frauenpolitik ist die bessere Förderung von Schülerinnen und Schülern.

Renate Künast: “Jeder Betrieb, auch jeder kleine,  hat diese gläserne Decke”

Ariane Durian, Renate Künast, Annelie Buntenbach und Sibylle Stauch-Eckmann, Foto: Christian Zett

Renate Künast gibt den letzten Input in die Runde. Sie fordert vor allem konkrete Politik, – auch wieder in Bezug auf das Männermanifest (s.o.). Das Männermanifest muss Konsequenzen nach sich ziehen. Besonders die Männer in den Grünen Fraktionen sollten nun nach vorne gehen und einen guten Deal für die Frauen machen. Also auch um Betreuungsplätze streiten und sich spezifisch für die Belange von Frauen einsetzen. Danach widmet sie sich der “Gläsernen Decke”. Für sie ist klar: “Jeder Betrieb, auch jeder kleine, hat diese gläserne Decke”.  Sie zählt die verschiedenen Gründe auf, die Männer gerne anbringen, um die gläserne Decke entweder zu marginalisieren oder sogar zu verteidigen. Gleichzeitig kritisiert sie aber auch die Frauen, die grundsätzlich davon ausgehen, dass es in jedem Fall eine gläserne Decke geben muss und deswegen das Kämpfen nicht mehr lohnt. Männer wie Frauen können in eine reflexive Haltung verfallen und damit Grenzen verfestigen.

Klassische Frauenberufe sind besonders von Lohndumping und Zeitarbeit betroffen

Foto: Christian Zett

Um die Zeitarbeit entbrennt schnell eine engagierte Diskussion. In deren Kontext wird auch hinterfragt, in welcher Weise Zeitarbeit in sozialen Bereichen eingesetzt wird. Zum einen wird die Arbeit, die nah am Menschen ist, ohnehin schlecht bezahlt, da sie als klassischer Frauenberuf gedeutet wird. Zum anderen wird aber gerade auch in diesem Bereich auf die noch schlechter bezahlte Zeitarbeit umgestellt. Renate spitzt die Debatte an: Wieso gibt es im Pflegeheim Zeitarbeit, obwohl dort im Grunde nur feste Arbeitsstellen durch Zeitarbeiter ersetzt werden? Auch hinterfragt sie die Finanzierung in sozialen Bereichen. Feste Pauschalen werden überwiesen, was mit dem Geld genau passiert, wird aber nicht aufgeschlüsselt. Annelie Buntenbach kritisiert in diesem Zusammenhang erneut, dass es immer öfters passiert, dass Festangestellte gekündigt werden und sich drei Monate später auf der gleichen Arbeitsstelle als Zeitarbeiter wieder finden, aber ein Drittel weniger verdienen.

Deutschland – abgeschlagen bei der Lohngerechtigkeit und Gleichberechtigung

Ariane Durian glaubt nicht an eine Quote, aber muss sich schnell großer Kritik aussetzen. Als Selbstständige erlebt sie weder die gläserne Decke, noch Lohnabschläge aufgrund des Geschlechts. Es werden von den Referentinnen und Zuhörerinnen starke Plädoyers für die Frauenquote gehalten, auch von Frauen, die ohne Quote ihren Weg machen konnten. In der Diskussion um Lohndumping wird auch darauf hingewiesen, dass mittlerweile Deutschland in der europäischen Union als der Standort gilt, der die Preise kaputt macht. Prekäre Arbeitsverhältnisse und ein fehlender Mindestlohn – das sind deutsche Probleme.  Aus diesem Grund ist es auch falsch, davon auszugehen, dass Zuwanderer die Preise in Deutschland kaputt machen oder Arbeitsplätze wegnehmen. In anderen Ländern kann man besser verdienen als hier – und Frauen werden oft sogar noch mehr unterstützt. Allein die Betreuungsquote in Frankreich sollte ein Mahnmal für Deutschland sein.

Bildungspolitik und Genderfragen – Podiumsdiskussion mit Sylvia Löhrmann, Julia Karnick und Verena Schäffer

Sylvia, Steffi Lemke, Julia Karnick und Verena Schäffer , Foto: Christian Zett

Unter der Moderation von Steffi Lemke beginnt um 17:30 Uhr die zweite Podiumsdiskussion.  Sylvia gibt den ersten Input. Sie gibt zu bedenken, dass besonders im Bildungssystem  die Unterschiede zwischen Männern und Frauen, Jungen und Mädchen ernst genommen werden müssen, ohne die Gleichstellung aus den Augen zu verlieren. Das bedeutet zum Beispiel auch, dass in der Gleichstellungsdebatte beachtet werden muss, dass man Kinder nicht dazu zwingen kann, sich für Berufe zu interessieren, die momentan spezifisch männlich oder weiblich sind. Vielmehr muss das Lehrpersonal so qualifiziert werden, dass die Heterogenität der SchülerInnen bewusst wahrgenommen wird und Jungen und Mädchen Gleichberechtigung und Gleichstellung als Selbstverständlichkeit kennen lernen, aber auch nach ihren besonderen – auch geschlechtsspezifischen Bedürfnissen – angesprochen werden.

Die Jobwahl – determiniert oder wandelbar?

Foto: Christian Zett

Julia Karnick wird von Steffi Lemke zunächst auf ihre letzten Publikationen zu Bildungsthemen angesprochen. Besonders die Schulentwicklung in Hamburg wird kurz aufgegriffen. Verena Schäffer wird zum Ausbildungsreport befragt, der im letzten Jahr festgestellt hat, dass gerade Mädchen und junge Frauen schon in der Ausbildung 22 Prozent weniger Vergütung bekommen und die Berufe ergreifen, die auch in der Zukunft zu prekären Beschäftigungsverhältnissen führen. Verena glaubt, dass schon in der Berufsberatung nachgesteuert werden muss. Das Berufswahlverhalten muss aufgebrochen werden und das sollte man bereits in der Schule versuchen.

Steffi fragt nach, ob nicht auch in der Gesellschaft gerade Frauenberufe weniger anerkannt werden. Verena unterstützt diese Annahme, aber weist nochmals darauf hin, dass junge Frauen auch stärker darüber aufgeklärt werden müssen, welche Zukunft ihnen momentan mit einer bestimmten Berufswahl oder der Wahl eines bestimmten Studiengangs droht. Hier stellt sich allerdings die Frage, ob Deutschland dann in Zukunft kaum mehr Pflegekräfte oder Friseurinnen hätte? Wieder ein Plädoyer für den Mindestlohn und die gesellschaftliche Aufwertung von klassichen Frauenberufen.

Wirtschaftsfaktor Bildung, Leistungsdruck und Bildungsziele

Julia Karnick, Brigitte-Kolumnistin und Autorin, Foto: Christian Zett

Julia Karnick greift noch einen anderen Punkt auf, der oft in der öffentlichen Debatte nicht hinterfragt wird. Wenn Frauen von der Wirtschaft aufgefordert werden, mehr technische und naturwissenschaftliche Berufe zu erlernen, dann gibt es einen ökonomischen Bedarf, der Frauen – ebenso wie Männer – nur als Produzenten und Arbeitende betrachtet. Auch durch solche Debatten verlieren gerade die Kulturwissenschaften, musische und künstlerische Ausbildungen an wirtschaftlichem Wert. Karnick spricht sich deswegen  klar dafür aus, dass es im Bildungssystem niemals eine völlige Ausrichtung an Wirtschaftsinteressen geben darf.

Sylvia und Steffi Lemke, Foto: Christian Zett

Auch schließt sie sich Sylvias Meinung an, dass der Druck, nur leisten zu müssen, abgeschwächt werden muss, denn gerade durch das G8 wird deutlich, dass erhöhter Leistungsdruck nicht zu mehr Leistung führt. Dass der Leistungsdruck generell zugenommen hat und schon von der Kita an zu spüren ist, wird von allen Diskussionsteilnehmerinnen bestätigt. Allerdings stellt Julia Karnick auch fest, dass der Druck, etwas zu leisten, nicht ganz verschwinden darf.  Dass aber auch hier Jungen und Mädchen eine differenzierte Ansprache brauchen, ist klar.

Reaktionen auf den Input

Nach Eingabe des Inputs meldet sich von den ZuhörerInnen direkt eine selbstständige Psychotherapeutin, die die Forderung nach weniger Leistungsdruck – auch gerade durch das G8 – unterstützt. Außerdem brauchen aufwachsende Mädchen und Jungen anwesende Väter, mehr männliche Mitarbeiter in Kitas und in Grundschulen. Steffi Lemke kann hier sofort einlenken. Es ist seit langem eine Grüne Forderung, mehr Männer in Betreuungsberufe und in die frühkindliche Bildung zu bringen. Dadurch, dass aber gerade auch in diesem Bereich die Bezahlung geringer ist als z.B. in der Hochschulbildung, ist der Anreiz für Männer nicht groß, in die frühkindliche Bildung einzusteigen. Sylvia hatte genau zu diesem Thema auch schon einen Input gegeben. Die Betreuung von Kleinkindern wird in Deutschland oft als eine Aufgabe betrachtet, die nicht gut entlohnt werden muss, da Mütter diese Arbeit ohnehin umsonst leisten. ErzieherInnen verdienen dementsprechend wenig Geld. Dass aber gerade im Vor- und Grundschulbereich der Grundstein für eine erfolgreiche Bildungskarriere gelegt wird, wird nicht anerkannt und auch nicht in der Entlohnung angepasst. Hier möchte Grüne Politik nachsteuern. So kann auch mehr Bildungsgerechtigkeit zwischen Jungen und Mädchen erreicht werden, da eine geschlechterspezifische Bildung mit mehr Männern wesentlich gerechter gestaltet werden könnte.

Abschluss der Podiumsdiskussion

Sylvia versucht am Schluss noch einmal zwei Fragen zu beantworten. Sie formuliert die erste Frage selbst: “Wie kann man Rollenbilder knacken?” Bei der Beantwortung unterstreicht sie, dass Erziehung nicht nur in Bildungseinrichtungen stattfindet, sondern vor allem in der Gesellschaft geschieht: Was transportiert die Werbung? Was wird von den Eltern adaptiert? Geschlechterrollen also nur über das Bildungssystem aufbrechen zu wollen, ist zu kurz gedacht und überschätzt den Einfluss von Lehrplänen. Vor allem muss den Kindern die Möglichkeit gegeben werden, Erfahrungen zu machen, die ihnen vorher durch enge Geschlechterbilder nicht zugänglich gemacht wurden.

Der zweite Punkt betrifft die Angestellten im Erziehungsbereich. Für Sylvia ist es auch zu kurz gedacht zu sagen: Wir wollen mehr Männer in diesen Berufen, also müssen wir nur wegen Männern die Bezahlung verbessern. Stattdessen muss die Bildung in der gesamten Gesellschaft aufgewertet werden und nur deswegen besser bezahlt werden, da diese Jobs anspruchsvoll, verantwortungsvoll und für die Gesellschaft von unerläßlichem Wert sind. Darin unterstützt sie auch die Forderung der restlichen Frauen, dass die Wertschätzung von Bildung auch dadurch deutlich gemacht werden muss, dass ein gutes Bildungssystem auch ausreichend finanziell getragen werden muss.

Die Podiumsdiskussion ist leider zeitlich begrenzt. Trotzdem wird noch versucht, alle restlichen Wortmeldungen aufzunehmen und zu beantworten. Nach der Podiumsdiskussion folgt ein Abendprogramm mit Abendessen und Unterhaltung. Zum Abschluss des ersten Tages der Bundesfrauenkonferenz gibt es hier noch ein schönes Abschlussbild. “Der Schlüssel zum Erfolg” ist fest in Frauenhänden.

Foto: Christian Zett

Aktuell,Blog · Samstag, 17. April 2010 · weiterlesen »

Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Grünen aus Europa, Bund und Ländern

Fraktionsvorsitzende vor der Grünen Litfasssäule in Düsseldorf, Foto: Kristina Beer

Heute, am 16.04.2010, wird im Landtag NRW nicht nur 20 Jahre Grüne Fraktion gefeiert, sondern es findet auch die Fraktionsvorsitzendenkonferenz der Grünen Fraktionsvorsitzenden aus Europa, Bund und Ländern statt. Sylvia ist nicht nur die Fraktionsvorsitzende der Grünen Fraktion im Landtag NRW, sondern auch die Vorsitzende dieser Konferenz.

Zusammen mit allen Fraktionsvorsitzenden ist sie heute morgen mit dem Zug aus Wuppertal nach Düsseldorf gereist. Vor dem Düsseldorfer Hauptbahnhof gab es ein Gruppenfoto vor der Grünen Litfasssäule. Mit der Straßenbahn sind dann alle Fraktionsvorsitzenden zum Landtag gefahren, um dort mit der Konferenz zu beginnen. Die Ergebnisse werden jetzt gleich, um 12:30 Uhr, im Landtag vorgestellt.

Jürgen Trittin, Renate Künast und die anderen Vorsitzenden werden auch heute Abend mit der Landtagsfraktion  NRW das zwanzig-jährige Bestehen feiern.

Hier weitere Impressionen:

Jürgen Trittin, Sylvia Löhrmann, Renate Künast und weitere Fraktionsvorsitzende am Bahngleis, Foto: Kristina Beer

Foto: Kristina Beer

Foto: Kristina Beer

Foto: Kristina Beer

Sylvia Löhrmann, Antje Hermenau, Jürgen Trittin und Renate Künast in der Straßenbahn, Foto: Kristina Beer

Renate Künast und Jürgen Trittin in der Straßenbahn, Foto: Kristina Beer

Aktuell,Blog · Freitag, 16. April 2010 · weiterlesen »

Startschuss: Gemeinsam mit Klima-Allianz Unterschriften für “Klimaschutzgesetz NRW” sammeln!

Bei der Landtagswahl am 9. Mai wird nicht nur über die Atomenergie abgestimmt, sondern es werden vor allem auch die entscheidenden Weichen für den künftigen Klimaschutz in NRW gestellt. Außer uns GRÜNEN halten bislang leider alle anderen Parteien im Landtag an dem Neubau von Kohlekraftwerken in NRW fest. Der Neubau wäre aber aus Sicht des Klimaschutzes katastrophal. Die neuen Kohlekraftwerke würden die Emissionen Nordrhein-Westfalens über Jahrzehnte hinweg auf einem hohen Niveau halten, anstatt sie zu senken. Durch die derzeit in NRW im Bau bzw. in Planung befindlichen Kraftwerksvorhaben würden sich die CO2-Emissionen in NRW um über 76 Mio. t pro Jahr erhöhen. (Übrigens für alle, die sich gerne kreativ betätigen: Schreib’ Gedichte gegen Kohlekraft – eine Aktion von Meine Kampagne!)

Ich  teile die traurige Ansicht, dass NRW in Sachen Klimaschutz bundesweit Schlusslicht ist und setze mich dafür ein, dass eine neue Landesregierung schnell verbindliche und ehrgeizige Maßnahmen ergreift, damit Deutschland die Klimaziele nicht verfehlt.

Logo der Klima-Allianz Kampagne

Ich freue mich daher sehr und sehe es als Ermutigung und Unterstützung an, dass die Klima-Allianz heute gemeinsam mit anderen Verbänden und Initiativen mit einer großen Unterschriften-Kampagne unter dem Titel “Kurswechsel jetzt – für ein Klimaschutzgesetz in NRW!” beginnt und damit den Wahlkampf begleiten wird. Bis zur Landtagswahl bzw. bis zu danach eventuell nötigen Koalitionsverhandlungen sollen zehntausende Unterschriften für ein effektives, verbindliches Klimaschutzgesetz gesammelt werden. Dies soll Online sowie bei Aktionen, Veranstaltungen und Infoständen geschehen.

Die zentrale Forderung nach einem Klimaschutzgesetz für NRW unterstützen wir und haben wir auch in unserem GRÜNEN Landtagswahlprogramm, unserem Zukunftsplan für NRW, verankert. Darin heißt es: “In einem Klimaschutzgesetz NRW wollen wir die rechtlichen und gesetzlichen Regelungen bündeln.”

Klimaschutz ist der schwarz-gelben Landesregierung unter Ministerpräsident Rüttgers bisher völlig gleichgültig! Nur so war die auch Verabschiedung des “Lex E.ON” -  also die Streichung des Klimaschutzparagraphen aus dem Landesentwicklungsgesetz – zu verstehen. Durch diesen Winkelzug soll der Weiterbau von bereits gerichtlich gestoppten Kohlekraftwerke in ganz NRW wieder ermöglicht werden. Dabei ist Klimaschutz eine der zentralen Herausforderungen unseres Jahrhunderts. Wenn es nicht gelingt, die Erderwärmung auf zwei Grad zu begrenzen, befürchten Expertinnen und Experten teils katastrophale Folgen. Bereits jetzt sind weltweit negative Auswirkungen auf Ökosystem und Menschen sichtbar. Gerade die Bereiche Energie- und Stromerzeugung sind es, deren ökologischer Umbau befördert werden muss. Traditionell ist NRW ein Land mit großen Unternehmen zur Energie- und Stromerzeugung. Angestoßen durch GRÜNE Politik hat sich in den letzten Jahren dabei auch zunehmend eine Industrie entwickelt, deren Kernkompetenz bei den alternativen Energien liegt. Die wollen wir weiter entwickeln!

Foto: Roland Lang

Wir waren aber auch in der Opposition weiter für den Klimaschutz aktiv und haben ein von der Firma EUtech unter dem Titel “NRW Klima 2020″ durchgerechnetes und mit konkreten Maßnahmen hinterlegtes Energie- und Klimakonzept für NRW vorgelegt – und darauf bin ich sehr stolz. Darin ist nachgewiesen, dass die Erreichung der Klimaziele in NRW ohne Neubau von Kohledreckschleudern und mit Festhalten am Atomausstieg möglich ist. Wenn es nach uns GRÜNEN geht, sollen bis 2020 22 Prozent des Stroms aus Erneuerbaren fließen, 33 Prozent durch Kraft-Wärme-Kopplung erzeugt werden und bis zu 200.000 Wohnungen in NRW pro Jahr energetisch saniert werden.

Wir GRÜNE wollen NRW zum Vorreiter für die notwendige neue „grüne industrielle Revolution“ machen und so Klima retten, Umwelt schützen und Zukunftsarbeitsplätze schaffen.

Daher werden wir die Kampagne offensiv begleiten und unterstützen. Also, jetzt den Appell online unterzeichnen! Oder: Unterschriftenlisten ausdrucken und mit zum Wahlkampfstand, zur Arbeit oder…….. nehmen!

Die Kampagne „Kurswechsel jetzt – für ein Klimaschutzgesetz in NRW“ wurde Initiiert von der Klima-Allianz und wird zur Zeit unterstützt durch: Evangelische Kirche von Westfalen, BUND Landesverband NRW, Eine Welt Netz NRW, NABU Landesverband NRW, Oxfam, Deutsche Umwelthilfe, Misereor, Greenpeace, Campact, Diözesanrat Aachen, Germanwatch, EXILE Kulturkoordination Essen, attac AG Energie/Klima/ Umwelt, FÖS, WECF, Informationszentrum 3.Welt Minden, Südwind e.V. Siegburg, BürgerBegehren Klimaschutz e.V., VEBU, Deutsche Umweltstiftung.
Aktuell,Blog · Donnerstag, 15. April 2010 · weiterlesen »

Sylvias Stationen am 14.04.

Sylvia ist auch heute wieder im ganzen Land unterwegs. Von der Strecke lässt sie uns einige Nachrichten zukommen, die wir natürlich gerne teilen möchten.

GreenNew Deal-Frühstück im Industrieclub

Der erste Termin des Tages fand im Industrieclub in Düsseldorf statt. Sylvia ist eingeladen worden den Green New Deal vorzustellen und wurde oft auf unser verkürztes Programm angesprochen: Der 12 Punkte-Flyer war nach dem Termin so gut wie weg. Nach dem Frühstück im Industrieclub war sie nur kurz im Landtag und hat sich dort die neusten Papiere mitgeben lassen und eine Pressemitteilung besprochen. Mit dieser Pressemitteilung konnte sie sich auch gleich auf den nächsten Termin einstimmen.

Podiumsdiskussion im Berufskolleg

Um 10:30 Uhr nahm sie auf dem Podium im Berufskolleg für Technik und Informatik in Neuss Platz und konnte sich dort direkt mit Gerhard Papke von der FDP auseinandersetzen. Dort musste sie überrascht feststellen, dass Gerhard Papke wenig konkret auf Fragen geantwortet hat, besonders auch, was die neuerlichen Steuerkonzepte betrifft (siehe Pressemitteilung). Er zog sich auf Allgemeinplätze zurück und gab leere Worthülsen von sich. Über den Zuspruch, den Sylvia von den rund 500 Schülerinnen und Schüler erhalten hat, hat sie sich sehr gefreut.

Wesel, Kreistagsfraktion, Voerde, Naturkost-Café – Alles zur Schulsituation

Foto: Stefan Meiners, Grüne Voerde

Nach der Podiumsdiskussion ging es für Sylvia nach Wesel. Dort sprach sie mit der Kreistagsfraktion und der örtlichen Presse über den Schulentwicklungsplan, Turbo-Abi und Co. Inhaltlich wurde dieser Termin in Voerde, in einem kleinen Naturkost-Café fortgesetzt. Es handelt sich um ein Fachgespräch mit Schülervertretungen und Elternbeiräten.

Der KV Kleve lädt ein zu ‘Unser Land, unser Programm, unsere Kandidaten’

In Voerde und Wesel, Foto: Stefan Meiners

Nach diesem Termin wird Sylvia nach Goch (KV Kleve) aufbrechen. Dort wird sie an der Veranstaltung ‘Unser Land, unser Programm, unsere Kandidaten’ teilnehmen. Dieser Termin wird inhaltlich alles umreißen, was die Grünen in NRW bewegt und so für alle Interessierte eine Plattform bieten die Grünen in NRW besser kennen zu lernen. Wer tritt für die Grünen an? Was möchten wir Grüne umsetzen und wie ist die Situation in NRW in verschiedenen Bereichen einzuschätzen? Wo muss gerade in NRW noch einmal nachgesteuert werden? Wo brauchen wir neue Ansätze? Sylvia wird Auskunft geben und eifrig mitdiskutieren.

Aktuell,Blog · Mittwoch, 14. April 2010 · weiterlesen »

Live-Blog: Unterwegs im Münsterland

Stift Tilbeck

Für die Grünen ist die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung ein wichtiges politisches Anliegen und ein wichtiger Teil unseres sozialpolitischen Programms. Da trifft  es sich gut, dass die Grünen vor Ort und der Direktkandidat Norbert Vogelpohl mir vorgeschlagen haben, die Werkstätten von Stift Tilbeck zu besuchen.

Geschäftsführer Bernward Jacobs hat erst einen Überblick über die Einrichtung gegeben. Ich habe die Werkstätten besichtigt und konnte ein Gespräch mit dem Werkstattrat führen. Dabei war besonders beeindruckend, wie stolz die Menschen mit Behinderung ihren Arbeitsplatz zeigen, wie wichtig es ihnen ist, Schritte in die Selbstständigkeit zu gehen - mehr oder weniger „behütet“ -  und wie intensiv sie sich zum Beispiel auf das Gespräch mit mir vorbereitet haben.

Dafür spricht folgende Anekdote: Heiko Baumann hatte tatsächlich aus der Zeitung einen der Fragebögen mit Hinweisen zu meiner Person gelesen und berichtete stolz, dass auch er „Jim Knopf und Lukas, der Lokomotivführer“ gelesen hat – ein Buch, dass ich mit auf eine einsame Insel nehmen würde. Eine schöne Gemeinsamkeit!

Mehr Ascheberg für das Land

Ganz Ascheberg ist für die Profilschule. Das habe ich bei einer Diskussion mit zahlreichen Ascheberger Bürgerinnen und Bürgern gespürt: Da war schon deutliche Abneigung gegen Düsseldorf im Raum – schließlich haben die Ascheberger ein tolles Konzept für ihre Profilschule erstellt und einstimmig beschlossen, aber aus dem schwarz-gelb regierten Düsseldorf kam das „Njet“. Das ist bitter. Und auch da wieder Bestätigung für unseren Ansatz, die Schule der Zukunft von unten zu entwickeln. Dann sind Profilschulen à la Ascheberg möglich, im ganzen Land. Mit längerem gemeinsamen Lernen, mit echter individueller Förderung, mit Wertschätzung für alle Kinder. Und reihum Kopfnicken, wenn ich das nicht nur aus Sicht der Kinder und Jugendlichen, sondern auch aus Sicht der Kommunen und der Wirtschaft begründe. Gute Schulen sind eben auch ein echter Standortfaktor. Wir müssen einfach allen Kindern länger jeden Bildungsabschluss offen halten und dürfen nicht schon bei Kindern mit neun Jahren entscheiden: Die schafft das Abitur, der nicht.

Vor Ort ist der Wunsch da, einfach eine gute Schule für alle Kinder anzubieten. Schwarz-Gelb verhindert und behindert dieses Engagement. Wir machen dagegen mehr möglich!

Grüne wollen mehr Ascheberg möglich machen – im ganzen Land!

Drensteinfurt: Appetit auf mehr!

Tolle und überlebensnotwendige Idee der Drensteinfurter Grünen: Erst diskutieren, dann schnabulieren. Erst das Gespräch mit vielen Menschen aus Drensteinfurt und dem ganzen Münsteraner Land, dann gemeinsam Sauerbraten, Rotkohl und Kartoffeln essen – natürlich alles von regionalen Biohöfen.

Nachdem mein Essen am gesamten Tag nur aus Studentenfutter bestand, war das eine echte Wohltat. Und die Sympathie für Grüne Politik war auch hier wieder deutlich spürbar. In wirklich angenehmer Atmosphäre sprachen wir über Schulpolitik, Naturschutz und mehr, wieder wurde mir bestätigt: Die Menschen sind wirklich interessiert, nicht an einfachen Antworten, sondern an ehrlichen Antworten. Da macht Politik Spaß, da macht Wahlkampf Spaß. Und mit Sauerbraten im Magen kann der nächste Tag dann kommen. Dann geht es wieder mal ins Ruhrgebiet. Nach Bochum und Dortmund. Dazu dann morgen mehr an gleicher Stelle. Jetzt erst einmal: Gute Nacht!

Aktuell,Blog · Montag, 12. April 2010 · weiterlesen »

Live-Blog: Im Herzen des Ruhrgebiets

Sylvia führt die ersten Telefonate auf dem Weg zu Terminen

Das Wetter ist diesig, der Berufsverkehr rollt. Wir schreiben den 08. April 2010 und schon in einem Monat ist in Nordrhein-Westfalen Wahltag. Sylvia ist heute im Herzen des Ruhrgebiets unterwegs. Erst Oberhausen, dann Essen, später – mehr im Grünen – Borken (Münsterland).

An Sylvias Seite sind heute zwei junge Frauen. Zum einen Mareike Bärmann, unsere Wahlkampf-Fahrerin und Mitarbeiterin in der Landesgeschäftsstelle der Grünen und zum anderen ich, Kristina Beer, Volontärin der Grünen Pressestelle im Landtag. Zu dritt sind wir nun schon auf dem Weg zu unserem ersten Termin.

Sylvia wird ein mittelständisches Unternehmen besuchen. ATHERM hat sich auf die Produktion von Holz-Pelletsbrennkesseln und Solarspeicheranlagen spezialisiert. Gleich sind wir da.

Ein Self-Made-Man

Turgut Aksoy (2. von rechts) erklärt die Funktion seiner Anlagen

Bei der Betriebsbesichtigung

Die Firma, die wir besuchen, offenbart, welche Innovationskraft im Ruhrgebiet steckt. Alle Pelletsanlagen, die uns gezeigt werden, sind selbst entwickelt worden und mittlerweile patentiert. Hinter dem Unternehmen steht kein großer Geldgeber. Turgut  Aksoy hat  das Geld für den Aufbau seines Betriebs selbst erarbeitet und stets sofort in neue Entwicklungen investiert. Ziel ist für ihn: Bezahlbare, umweltschonende Heiztechniken. Schwierig ist für ihn, dass die Förderpraxis von umweltschonenden Techniken in Deutschland stets variiert. Besonders bei den Kunden schafft das Verunsicherung und ihm kann schnell wirtschaftlicher Schaden drohen.

Turgut Aksoy zeigt uns einen Brennkessel

Turgut Aksoy zeigt uns einen Brennkessel

“Die Menschen investieren nicht in Solaranlagen oder Pelletsanlagen, wenn nicht klar ist, wieviele Fördergelder es für diese Technik gibt.” Aksoy wünscht sich hier mehr Verbindlichkeit, auch damit er genau weiß, welche Investitionen sich für ihn lohnen. Seinen Betrieb möchte er gerne weiterführen und die Technik weiter verfeinern. Turgut Aksoy hat eine Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungsinstallateur gemacht und wurde von der IHK bundesweit als Bester seines Jahrgangs ausgezeichnet.  Der Erfindergeist steckt in ihm.

Sylvia sieht die Gefahren für mittelständische Unternehmen, die innovativ arbeiten wollen, aber denen unnötige Hürden gestellt werden. Im Gespräch werden noch mehr Probleme aufgedeckt.

Sylvia wird der Betrieb gezeigt, im Hintergrund Solarkollektoren

Sylvia informiert sich über den Betrieb, im Hintergrund Solarkollektoren

Zum Beispiel wird angeregt, dass es  mehr Qualitätskontrollen der Handwerkskammern geben muss, da die Zuschussverteilung nicht transparent genug ist.  Turgut Aksoy hat die Erfahrung gemacht, dass einige Firmen nicht so seriös arbeiten wie er.  Der Anschaffungspreis wird besonders niedrig gehalten, einen Effekt gibt es dafür nicht.  Turgut Aksoy bildet aus, entwickelt neue Anlagen und finanziert sich selbst. Er schafft es gut alleine, aber die Rahmenbedingungen könnten an einigen Stellen besser sein, das betont er immer wieder.

Sylvia ist beeindruckt und begeistert von dem mutigen Unternehmergeist, der im Betrieb herrscht. Als später die Presse hinzu kommt, erzählt Turgut Aksoy noch einmal von seiner Unternehmensgründung und Sylvia stellt das Grüne Zukunftsprogramm für NRW vor. Besonders die energetische Gebäudesanierung bietet Chancen für die Bürgerinnen und Bürger in NRW. Mittelständische Betriebe würden gestärkt, Arbeitsplätze könnten entstehen, die Energiekosten könnten gesenkt und die Umwelt und das Klima gleichzeitig geschont werden.

13-15 Uhr, Gespräch mit der GEW

Von 13 bis 15 Uhr waren wir zu Gast bei der GEW. Sylvia und Vertreter der Gewerkschaft, Andreas Meyer-Lauber (Vorstand) und Michael Schulte (Geschäftsführer), haben sich über die Schulpolitik der letzten Jahre und die Grünen Konzepte für die Zukunft ausgetauscht. Es konnten große Übereinstimmungen in der Einschätzung der schulpolitischen Lage und notwendiger Veränderungen festgestellt werden. Gestärkt durch Kaffee und Kuchen machen wir uns jetzt auf den Weg nach Holsterhausen, um dort einen Wahlkampfstand zu besuchen.

Essen Holsterhausen

Sylvia vor ihrer alten Schule, dem B.M.V. in Essen

Das Wetter bleibt uselig, aber das hält uns nicht davon ab zur nächsten Station aufzubrechen. Die Grünen in Essen Holsterhausen haben Sylvia zu ihrem Wahlkampfstand am Marktplatz eingeladen. 15:30 Uhr wollen wir da sein. Auf dem Weg zeigt uns Sylvia einige Orte, mit denen sie viel Persönliches verbindet. Wir fahren zum Beispiel an dem Haus vorbei, in dem ihr Opa wohnte. Sie weiß sofort einige  Anekdoten zu erzählen und da wir gerade in der Gegend sind, machen wir auch noch einmal Halt bei ihrer alten Schule.  Beatae-Mariae-Virginis -Mädchengymnasium. Kurz B.M.V. Es ist das größte Mädchengymnasium Nordrhein-Westfalens und Sylvia hat dort ihre gesamte Schullaufbahn von der Sek I bis in die Sek II absolviert. Wir machen einige Fotos vor den Eingangstoren. Da Ferien sind, ist die Schule geschlossen. Auch hier kann uns Sylvia von einigen Erlebnissen berichten. Mit ihrer alten Schule ist sie bis heute verbunden.

Am Marktstand zeigt sich, dass das uselige Wetter die Essener nicht abschreckt. Es sind viele Marktstände aufgebaut, die sich um die örtliche Kirche versammeln. Auch hier eine Erinnerung: Sylvias Abiturjahrgang wurde vor dieser Kirche fotografiert.

Sylvia und Mehrdad Mostofizadeh

Am Stand der Grünen begrüßt uns Mehrdad Mostofizadeh, Grüner Landtagskandidat aus Essen. Zusammen mit Grünen aus seinem KV hat er den Stand aufgebaut und spricht die Marktbesucher direkt auf die kommende Landtagswahl an. Einige Marktbesucher nutzen ihre Chance sofort und sprechen mit Sylvia über alles, was sie bezüglich der Landespolitik bewegt. Dass die Wahl spannend wird, ist allen klar – und weit entfernt ist sie auch nicht mehr.

Ein Marktbesucher fragt Sylvia, wie viele Stunden sie im Moment in der Woche arbeitet. “80 und mehr”, kann sie nach kurzem Überlegen sagen. “Ich bin im ganzen Land unterwegs und ständig mit meinem Büro in Kontakt.”

Nach dem Standbesuch geht es für uns auch direkt weiter. Wir verlassen gegen 18 Uhr das Ruhrgebiet und reisen ins Münsterland nach Borken. Der letzte Termin findet auf einem Flugplatz statt. Die Grünen vor Ort haben eingeladen.

Über den Wolken…mögen die Kosten wohl grenzenlos sein

Als wir ankommen, ist auf dem Flugplatz trotz der fortgeschrittenen Zeit doch noch etwas los. Private Flieger starten in die Abendsonne, denn in Borken ist der Dauernieselregen des Ruhrgebiets nicht angekommen.  Der Flugplatz, der uns in Stadtlohn-Vreden bei Borken gezeigt wird, hat trotz der vielen Hobbypiloten ein Problem, das viele kleine Flugplätze haben – im Grunde trägt er sich wirtschaftlich nicht, durch ältere Verträge oder neuere Entscheidungen muss er allerdings am Laufen gehalten oder sogar noch ausgebaut werden.  In Stadtlohn betreibt sogar die Kommune den Flugplatz, da sie diesen schon vor längerer Zeit -aus Gründen, die hier nicht so umfassend dargestellt werden können – erworben hat.

Besichtigung des Flugplatzes

Hier liegt auch der Knackpunkt. Die Kommune muss für den Flugplatz aufkommen, der nur zu 5 Prozent von Wirtschaftsunternehmen genutzt wird. Lange schrieb der Flugplatz rote Zahlen und erst jetzt kann er  durch einige Einsparungen und Preiserhöhungen eine ausgeglichene Bilanz vorweisen. Was auf Dauer mit dem Flugplatz geschieht, ist noch völlig ungewiss. Problematisch für den Standort ist allerdings, dass in NRW viele kleine Flugplätze gefördert wurden und diese sich nun die wenigen Kunden, die tatsächlich eine Wirtschaftlichkeit garantieren würden, gegenseitig abjagen. Im Großen und Ganzen bedeutet das, dass sich viele Flugplätze nicht selber tragen können und letztendlich künstlich und teuer  am Leben gehalten werden – oft auch, weil einem Ausstieg langfristige Verträge und Förderbescheide im Wege stehen.

Sylvia im Tower des Stadtlohner Flugplatzes mit Blick auf die Start- und Landebahn

Die Borkener Grünen versuchen das Beste aus der Situation zu machen: Weiteren Ausbau  verhindern und den Fluplatz möglichst wirtschaftlich betreiben. Sie wünschen sich für die Zukunft eine Landesregierung, die nicht nur jeden Einzelfall im Flugverkehr betrachtet, sondern eine landesweite  Steuerung vornimmt und nicht jeden Flughafenbau per se genehmigt  oder durch unnötige Konkurrenz  in den Bankrott laufen lässt. Nur den Kopf in den Wolken zu tragen, wenn es um die Luftfahrt geht, führt also nicht zu mehr Weitsicht – es erhöht meistens nur die Kosten. Im Flughafen-Restaurant tauscht man sich noch länger über dieses Problem aus.

Rückkehr ins Ruhrgebiet

Mit den letzten Sonnenstrahlen verabschieden wir uns von den Borkener Grünen und dem Flugplatz Stadtlohn. Wir fahren zurück ins Ruhrgebiet, genauer gesagt ins Bergische Land, denn dort in Solingen ist Sylvia zuhause. Morgen früh wird der Wahlkampf an der Grünen Landesgeschäftsstelle noch einmal offiziell eingeläutet. Sylvia wird selbstverständlich dabei sein und zuvor noch mit den MitarbeiternInnen der  Landesgeschäftsstelle frühstücken. Starke Grüne für den Grünen Wahlkampf.

In diesem Sinne: Macht mehr möglich.

Fotos, Bericht und Begleitung:  Kristina Beer
Aktuell,Blog · Donnerstag, 8. April 2010 · weiterlesen »

Sozialer Arbeitsmarkt im Sauerland

Kein Angebot von der Stange

Ein Kinderstuhl, ein „Mensch ärgere Dich nicht”-Spiel, ein bunter Hampelmann: alles aus Holz. Drei plastische Beispiele für die Arbeit des „Vereins für Reintegration in den Arbeitsmarkt Arnsberg e.V.“. Es ist eine tolle Arbeit, die hier geleistet wird. Das konnte ich heute bei meinem Besuch in Arnsberg erleben. Jedes Jahr kommen ca. 140 Menschen aus Arnsberg und Sundern in die ansprechenden Räumlichkeiten. Alles integriert in das große und schmucke Berufsbildungszentrum Arnsberg der Handwerkskammer Südwestfalen. Hier wollen sie den Sprung zurück in den ersten Arbeitsmarkt schaffen.

Für maximal drei Monate sind die Langzeitarbeitslosen hier, und viele finden einen Job. Seit 1997 hat das Team nur im Krisenjahr 2009 die angestrebte Vermittlungsquote von 50 Prozent unterschritten. Ansonsten eine echte Erfolgs-“Quote“! Denn das Ziel des multiprofessionellen Teams (zwei Lehrkräfte, ein Dipl.-Pädagoge, ein Tischlermeister, ein Psychologe, eine Sekretärin) ist: zurück in Arbeit!

Das geht nicht nach Schema F von der Stange, sondern nur mit einer professionellen, ganz individuellen Förderung. Kein Wunder, ist doch die Zusammensetzung der Gruppen höchst unterschiedlich. Vom Ungelernten ohne Schulabschluss bis zum U-Boot-Ingenieur, vom 20-Jährigen bis zur 60-Jährigen – Jede und Jeder ist anders, Jede und Jeder bringt die eigene Lebens- und Arbeitsgeschichte mit in den Verein. Und all das wird berücksichtigt. „Wir bieten eine Mischung aus Sozialarbeit und Pädagogik“, sagt die Lehrerin. Vom Einzelgespräch bis zur Teambildung ist alles dabei. Von Rechtschreibung über individuelles Bewerbungstraining bis hin zu klassischer Allgemeinbildung. Und eben auch das ganz Praktische, die Arbeit mit Holz. „Wer mit Holz arbeiten kann, kann auch mit allen anderen Werkstoffen zuverlässig arbeiten“, begründet der Tischler die Entscheidung des Vereins, gerade mit Holz zu arbeiten. Und wenn selbst jemand, der noch nie eine Säge in der Hand hatte, ein schönes selbst geschaffenes Werkstück mit nach Hause nehmen kann, ist das eine wunderbare Erinnerung an die eigenen Fähigkeiten. Und das alles in einer 40-Stunden-Woche. Damit alle das „richtige“ Arbeitsleben wieder kennenlernen.

Der Erfolg liegt natürlich auch an den über Jahre gewachsenen guten Verbindungen in die Wirtschaft des Hochsauerlandkreises. Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe, wo die Chefinnen und Chefs noch persönlich erreichbar sind, werden von dem Team angesprochen. Dass der Verein unter einem Dach aus der IHK, der Handwerkskammer und der Volkshochschule arbeitet – und das auch im Briefkopf deutlich wird – öffnet Türen bei der Vermittlung.

Doch es ist nicht alles Sonnenschein für die Arnsberger. Nach 14 Jahren haben sie Angst vor dem Ende. Die Finanzierung läuft aus, eine neue Ausschreibung steht an, auf die sich der Verein bewerben wird und muss. Sie haben Sorge, dass sie zu teuer sind – setzen aber auf ihre hohe Qualität und langjährigen Erfahrungsschatz.

Ich kann nur hoffen – insbesondere für die vielen Langzeitarbeitslosen – dass dieses bescheiden Team mit seiner besonderen, hochqualitativen Arbeit weiterhin finanziert wird. Und so wünsche dem Verein nach diesem spannenden Termin einfach nur: Gut Holz!

Aktuell,Blog · Dienstag, 30. März 2010 · weiterlesen »

Welttheatertag – Protest in Wuppertal – Bund und Land müssen endlich helfen!

Am 27. März ist Welttheatertag. Am gleichen Tag demonstrieren in diesem Jahr 50 Theater bei der Wuppertaler Solidaritätsdemonstration für den Erhalt des Schauspielhauses. Die finanzielle Lage der Kommunen in Nordrhein-Westfalen ist katastrophal. Überall wird über drastische Sparmaßnahmen beraten. In den Städten Essen, Hagen, Oberhausen und Wuppertal drohen Theaterschließungen. Schwimmbäder und Stadtteilbibliotheken sind zum Teil bereits geschlossen. Das, was eine Stadt lebenswert macht, wird aus sogenannten freiwilligen Ausgaben finanziert und steht also auf der Streichliste. Der Auftrag der Landesverfassung von Nordrhein-Westfalen in Artikel 18 spricht allerdings eine andere Sprache: “Kultur, Kunst und Wissenschaft sind durch Land und Gemeinden zu pflegen und zu fördern.”

Doch die Kommunen sind nicht mehr zahlungsfähig. Zu viele Lasten wurden ihnen von Land und Bund aufgebürdet, ohne dazu die notwendigen Gelder mit zu geben. Damit muss Schluss sein. Bund und Land sind dringend gefordert, die Kommunen zu stärken, damit sie sowohl ihre Pflichtaufgaben, als auch die “freiwilligen” Leistungen wie Kultur und Sport für die BürgerInnen erfüllen können. Kommunen sind systemrelevant und brauchen deshalb dringend einen finanziellen Rettungsschirm.

Ohne Theater und Bibliothek, ohne Schwimmbad oder Sporthalle veröden unsere Städte. Wir brauchen die Orte, an denen Kunst entsteht und Menschen zusammen kommen können, um Kultur und Kunst, aber auch Sport und Freizeit in Gemeinschaft zu erleben.

Ausdrücklich erkläre ich mich deshalb solidarisch mit der Wuppertaler Demonstration, und ich werde auch daran teilnehmen. Wenn Kultur freiwillig nicht mehr leistbar ist, muss aus grüner Sicht über Kultur als Pflichtaufgabe dringend diskutiert werden. Die Ausgaben für Kultur betragen in NRW im Durchschnitt nur ca. 2,9 Prozent des Gesamthaushaltes einer Stadt. Hier kann man nicht sinnvoll sparen. Wer hier kürzt, zerstört die einzigartige Stadtkultur, um die man uns überall in der Welt beneidet – ohne andererseits relevante Mittel zu erwirtschaften. Die Vielfalt und Dichte unserer Kulturlandschaft in Nordrhein-Westfalen ist eines unserer größten Kapitale. Es kann nicht sein, dass wir gerade in diesem Jahr 2010 die Kulturhauptstadt Europas in Essen und im Ruhrgebiet feiern und gleichzeitig genau dort die Schließung von Theatern droht, weil Bund und Land die Städte und Gemeinden finanziell im Stich lassen!

Blog · Samstag, 27. März 2010 · weiterlesen »
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