Sylvia Löhrmann \ Archiv nach Kategorie 'Blog'

Gastbeitrag beim “wir-in-nrw-blog”

Wir sind ab sofort auf der Suche nach wechselnden Mehrheiten

Als Joachim Gauck die Fraktionen von SPD und uns Grünen kurz vor der Bundespräsidentenwahl besuchte, hat er kein Wort über die politische Lage in Nordrhein-Westfalen verloren. Stattdessen hielt er eine ergreifende Rede, in der er sich u.a. mit dem Freiheitsbegriff auseinandersetzte. Er sprach sich für eine Freiheit aus, die Verantwortung heißt; “erwachsene Freiheit” hat er das genannt. Jeder einzelne hat Verantwortung, diese ihm gewährte Freiheit zum eigenen und zum Wohle aller einzusetzen.

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Aktuell,Blog · Montag, 19. Juli 2010 · weiterlesen »

Impressionen von der Bundespräsidentenwahl

Am 30. Juni wurde Christian Wulff zum Bundespräsidenten gewählt. Hier einige Fotos von den Grünen Wahlfrauen und Wahlmännern.

Die Grünen Wahlfrauen und Wahlmänner aus NRW

Sylvia im Gespräch mit Hildegard Hamm-Brücher

Aktuell,Blog · Montag, 5. Juli 2010 · weiterlesen »

Brief aus dem Landtag

Vom 9. Mai bis zur Minderheitsregierung

Liebe Freundinnen und Freunde,

das sind wahrlich aufregende Zeiten – ich jedenfalls habe so etwas in der Politik noch nie erlebt. Politik war selten über einen derart langen Zeitraum so schnelllebig, wechselhaft und spannend.

Wir Grüne haben in diesem Prozess ziel- und lösungsorientiert mit einer klaren Perspektive orientiert an unseren Inhalten für NRW gehandelt.

Ich möchte Sie und Euch gerne mit auf diese politische Reise nehmen, aber der Reihe nach:

Landtagswahl 2010

Die Menschen in NRW haben am 9. Mai gewählt – besser gesagt, sie haben abgewählt. Die Regierung Rüttgers hat nach nur fünf Jahren ihre Mehrheit eingebüßt. Die CDU-nahe Konrad-Adenauer-Stiftung stellt in ihrer Analyse fest, dass insbesondere die Bildungspolitik für die Zehn-Prozent-Verluste der CDU verantwortlich war. Aber natürlich hat auch der anhaltende „Fehlstart“ der CDU-FDP-Bundesregierung unter Bundeskanzlerin Merkel zu diesem schwarz-gelben Desaster beigetragen. Hinzu kommen für Rüttgers kleine und größere Skandale, Unglaubwürdigkeit durch das weite Auseinanderklaffen von Reden und Handeln sowie ein kaum erkennbares Politikkonzept. Die Menschen spüren, dass Schwarz-Gelb die notwendigen Antworten auf die Klima- und die Wirtschaftskrise schuldig bleibt. NRW will mehr GRÜN.

U.a. deshalb haben sie Grüne gewählt. Wir haben ein sensationell gutes Ergebnis eingefahren und konnten unsere Fraktion im Landtag NRW mit jetzt 23 Abgeordneten verdoppeln. Aus allen Lagern haben wir Stimmen hinzugewonnen, wir sind die einzige im Landtag vertretene Partei, die sogar aus der Gruppe vorheriger Nichtwählerinnen und Nichtwählern gewinnen konnte. Für diesen Vertrauensbeweis durch die Wählerinnen und Wähler an dieser Stelle ein ausdrückliches Dankeschön.

Leider reicht es nicht ganz für eine absolute Mehrheit für Rot-Grün, die Variante, die wir erhofft hatten. Genau ein Mandat fehlt dafür im Parlament.

So war von Anfang an klar: Es gab ein Patt zwischen SPD und CDU. Genauso klar war aber auch: Zwischen Rot-Grün und Schwarz-Gelb gibt es dieses Patt nicht – dank unseres klaren Vorsprungs vor der FDP.

Was wir ausgeschlossen hatten!

Auf unserem Parteitag Anfang 2010 haben wir Grüne zwei Varianten der Regierungsbildung ausgeschlossen: Jamaika (also eine Koalition von CDU, FDP und uns Grünen) sowie eine Tolerierung durch die Linkspartei. Gleichzeitig haben wir immer gesagt, dass wir – je nach Wahlergebnis – mit allen vier Fraktionen sprechen werden. Auch mit der Linkspartei.

Eine Tolerierung durch die Linke hätte ein verbindliches Abkommen, bedeutet, eine Art Kooperationsvertrag. Darin hätte sich die Linkspartei verpflichtet, den Koalitionsvertrag von Rot-Grün zu unterstützen, ohne in die Regierung einzutreten. Wir wären in jedem Fall über eine vertragsähnliche Vereinbarung aneinander gebunden – ohne dass die Linkspartei die eigentliche Regierungsverantwortung übernommen hätte. Bei unpopulären Entscheidungen wäre sie also fein raus gewesen. Das wollten wir nicht.

Jamaika haben wir ausgeschlossen, um nicht einer abgewählten Regierung zur erneuten Mehrheit zu verhelfen.

Hü und Hott der FDP

Die FDP hat die Sondierungsgespräche zunächst verweigert. Es ist eine seltsame Haltung, dass sie von uns forderte, Gespräche mit der Linkspartei von vorneherein auszuschließen. Nur dann wolle sie selber Gesprächen zustimmen. Das ist versuchte Erpressung, auf die wir uns nicht eingelassen haben. Das Hin und Her der Landes-FDP sowie die Einlassungen aus Berliner FDP-Kreisen waren immer wieder Anlass für teils hämische Berichterstattung in den Medien. Zu Recht, wie ich finde, denn eine stringente Linie der NRW-FDP war (und ist) nicht zu erkennen.

Rot-Grün-Rot

Wir Grüne sind sehr offen in die Sondierungsgespräche mit der Linkspartei eingestiegen, allerdings skeptisch, ob die notwendige Verlässlichkeit für ein gemeinsames Regieren vorhanden wäre. Wir waren auch skeptisch, nachdem eine der Abgeordneten der Linken, Frau Bötsch aus Wuppertal, presseöffentlich den Unrechtsstaatscharakter der DDR geleugnet hatte. Im Report Mainz wurden viele der Abgeordneten sehr kritisch betrachtet. Das darauffolgende Trommelfeuer der Medien war ein Vorgeschmack auf das, was auf eine gemeinsame Koalition zukommen würde, wenn die Linkspartei in solchen und ähnlichen Fragen keine glasklare Haltung hat.

Diese Haltung hat die Linkspartei zu keiner Zeit eingenommen. Sechs Stunden haben wir geredet und uns wirklich bemüht, zueinander zu kommen. Wir wollten den Erfolg, aber es war aus unserer Sicht nicht möglich. Wir haben einstimmig den Abbruch der Gespräche beschlossen. Warum?

  • Es fehlte ein klares Bekenntnis zum gemeinsamen Regieren. Es kann nicht sein, dass sich eine Regierungsfraktion die Option offen lässt, heute ungeliebte Entscheidungen im Parlament mitzutragen, um anschließend dagegen auf die Straße zu gehen.
  • Es fehlte eine klare Distanzierung vom Unrechtsstaat DDR. Eine solche klare Distanzierung ist aber notwendig, um in Debatten zu bestehen. Es reicht nicht, die DDR als Diktatur zu bezeichnen, ihren staatsimmanenten Unrechtscharakter jedoch mit den Fehlern der Bundesrepublik gleichzusetzen. Natürlich hat es in der Geschichte der Bundesrepublik (auch dramatisches) Unrecht gegeben. Aber die demokratische Verfasstheit der Bundesrepublik (etwa Gewaltenteilung, freie und geheime Wahlen, Meinungs- und Religionsfreiheit etc.) trägt das Unrecht nicht im System. Unrecht in unserem Staat ist i.d.R. kein systemisches, sondern entsteht durch Regelverstöße. Es gibt Verfahren und Institutionen, über die sich jeder Bürger wehren kann. Bildungsverweigerung etwa ist bei uns kein Mittel zur Bestrafung. Natürlich sind die Gespräche nicht an der DDR gescheitert, sondern an der unklaren Haltung von NRW-VertreterInnen der Linkspartei zu diesem demokratiepolitischen Grundkonsens.
  • Schließlich fehlte uns das Gefühl von Verlässlichkeit. Das Land NRW steht vor großen Problemen. Unsere politischen Ziele bedeuten in vielen Bereichen große Veränderungen, da müssen die Menschen im Land mitgenommen werden. Da braucht es eine starke, konfliktfähige, verlässliche und vertrauensvoll miteinander arbeitende Regierung. Die Delegation der Linkspartei konnte uns nicht vermitteln, dass sie dazu bereit ist.

Unsere Grüne Verhandlungsrunde hat unmittelbar festgestellt: Mit dieser Linkspartei, wie sie sich da präsentiert und verhalten hat, ist eine Koalition nicht möglich.

Option Große Koalition

Was folgte, war das Ringen von SPD und CDU um eine Große Koalition. Wir haben das distanziert beobachtet – schließlich bedeutet eine Große Koalition Stillstand, Unbeweglichkeit, Regieren auf dem kleinsten gemeinsamen Nenner. Angesichts der Situation in NRW nicht das, was unser Land zukunftsfähig macht. Wir wollen NRW sozialer, ökologischer und bildungsgerechter machen. Das war auch der eindeutige Wählerwille. In einer Großen Koalition wäre dieser sozial-ökologische Politikwechsel unmöglich gewesen. Nicht schön, aber trotzdem hätten wir diese Entscheidung akzeptiert und uns auf die Rolle der Oppositionsführerschaft eingestellt.

Gespräche mit der FDP

Und plötzlich galt das Wort des FDP-Bundesvorsitzenden Westerwelle nicht mehr, Pinkwart wagte sich erneut aus der Deckung und brachte dann doch die Ampel ins Spiel. Nun denn, wir folgten unserer Position, mit allen demokratischen Parteien zu sprechen – also begannen die Sondierungsgespräche zwischen SPD, Grünen und FDP. Es war klar, dass sie schwierig werden würden, dass es – aufgrund der doch sehr großen inhaltlichen Differenzen, vor allem in der Energie-, der Umwelt- und der Wirtschaftspolitik – großer Kompromissbereitschaft auf allen Seiten bedürfte, um zu einem positiven Ergebnis zu kommen. Das wiederum setzt voraus, dass jede Partei und Fraktion eine Reißleine definiert hat. Fakt war jedoch, dass wir (also Rot-Grün) eigentlich zwei Verhandlungsgruppen gegenüber saßen: der FDP des Herrn Pinkwart, der ernsthafte Gespräch wollte und eine Ampel als echte Option betrachtete. Und der FDP des Herrn Papke, der das offensichtlich verhindern wollte. Denkbar schlechte Voraussetzungen für Gespräche, die dann folgerichtig nicht zu einem Ergebnis führten. Als wir Klarheit wollten, wie weit die FDP denn wirklich inhaltlich auf uns zukommen würde, hat die FDP sich verweigert und die Sondierung abgebrochen. Nach den Gesprächen war klar: Im Grunde hatte die Option Ampel in der FDP nie wirklich bestanden.

Was nun?

Hannelore Kraft zog sich nun zurück – sie wolle die (geschäftsführende) Regierung Rüttgers aus der oppositionellen, parlamentarischen Arbeit heraus treiben. Sollten dann irgendwann Bundesratsentscheidungen anstehen (etwa die Verlängerung der Laufzeiten von Atomkraftwerken), könne man immer noch die Karte „Minderheitsregierung“ ziehen.

Wir haben das für falsch gehalten, denn die Regierung Rüttgers/Pinwart ist am 9. Mai von den Menschen in NRW abgewählt worden. Ein Wahlergebnis, das sich aus unserer Sicht auch bei den politischen Entscheidungsträgern widerspiegeln sollte. Wir sind überzeugt: Wenn aus dem Parlament heraus die sozial-ökologische Erneuerung NRWs gelingen soll, braucht es dafür auch eine sozial-ökologische Regierung. Wir können diesen Kurs auch in einer Minderheitsregierung umsetzen, weil wir mit dem Green New Deal und dem Zukunftsplan für NRW die richtigen Konzepte entwickelt haben.

Die Entscheidung

Ich habe großen Respekt vor der Entscheidung von Hannelore Kraft, nun doch möglichst schnell eine Minderheitsregierung zu bilden. Es zeugt von Stärke, wenn eine Politikerin eigene Entscheidungen reflektieren und korrigieren kann, wenn sie zu anderen, neuen Ergebnissen kommt oder sich die äußeren Umstände verändern.

Am 17. Juni haben Frau Kraft und ich in unseren Gremien besprochen und dann zur Pressekonferenz geladen, um der Öffentlichkeit mitzuteilen, dass wir eine rot-grüne Minderheitsregierung anstreben. Nachdem nun die jeweiligen Parteigremien beider Parteien diesen Kurs unterstützt haben, werden wir in die Koalitionsgespräche einsteigen, die hoffentlich zügig und konstruktiv zum Ziel einer rot-grünen Koalition führen. Geplant ist, Hannelore Kraft in den Plenarsitzungen am 13. oder 14. Juli zur Ministerpräsidentin zu wählen.

Minderheitsregierung als Chance

Eine Minderheitsregierung ist keine Tolerierung. Eine Minderheitsregierung muss sich für jede einzelne ihrer politischen Initiativen Unterstützung suchen – und hat keine Vereinbarung mit einem einzelnen weiteren Partner.

Wir werden werben, debattieren und überzeugen müssen, und wir werden Kompromisse suchen müssen. Insofern befördert eine Minderheitsregierung die inhaltliche politische Debatte. Jede der drei Oppositions-Fraktionen wird sich mit jeder politischen Initiative auseinander setzen, immer mit dem Wissen jedes einzelnen und jeder einzelnen Abgeordneten, gegebenenfalls für das Gelingen oder Scheitern einer Initiative verantwortlich zu sein. Das bietet die Chance auf eine neue Ernsthaftigkeit in der politischen Debatte. Das oft bleierne Gegeneinander von Regierungs- und Oppositionsfraktionen vermittelte häufig den Eindruck, dass Inhalte gar nicht zählten, sondern von wem der Antrag stammt, sei entscheidend. Und da müssen wir uns auch an die eigene Nase fassen: Wir Grüne haben dieses Schema zu oft mitgemacht.

Nun wird mit einer Minderheitsregierung dieses eingefahrene System durchbrochen. Die Chance ist da, die Politik für NRW gemeinsam zu gestalten. Unser Angebot und unsere Einladung, mit allen zu sprechen, steht. Minderheitsregierung bedeutet in jedem Fall einen sehr viel höheren Abstimmungsaufwand. Wir werden sehr viel mehr miteinander sprechen müssen – was ja vielleicht auch dazu führt, dass politische Entscheidungswege wieder überzeugender, Entscheidungen für die Menschen wieder transparenter und damit nachvollziehbarer werden. Es liegt an uns – den politisch Handelnden im Landtag NRW – aus der Minderheitsregierung eine echte politische Option für alle Parlamente der Republik zu machen.

Ob das gelingt, hängt ganz maßgeblich vom Verhalten von CDU und FDP ab. Geht es ihnen um Lösungen für das Land, um Mitwirkung oder um Blockade? Geht es darum, Verantwortung für das Land zu tragen? Wollen sie uns in ein rot-grün-rotes Lager drängen, um anschließend eine Rote-Socken-Kampagne zu fahren? Im Moment sieht es leider danach aus, aber wir Grüne hoffen, dass da das letzte Wort noch nicht gesprochen ist. Es geht um NRW und nicht um Farbenspiele!

In einer rot-grünen Minderheitsregierung liegt die Chance, das Parlament zu stärken mit einer lebendigeren demokratischen Debattenkultur und dem Ringen um den richtigen Weg für NRW.

Sylvia Löhrmann

Blog · Dienstag, 29. Juni 2010 · weiterlesen »

Ende der Sondierungsgespräche

Politikwechsel braucht Regierungswechsel

Die Lage in Nordrhein-Westfalen bleibt kompliziert. Das ist das erste Ergebnis aus den vielen verschiedenen Sondierungsgesprächen der vergangenen Wochen. Denn die SPD hat sich entschieden, derzeit keine neue Regierung zu bilden.

Ich bin überzeugt: Da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Denn wir können nicht zulassen, dass die schwarz-gelbe Bundesregierung nun ihre Vorhaben wie den Ausstieg aus dem Atomausstieg und die unsozialen Sparpläne in hohem Tempo über den Bundesrat durchsetzen will, obwohl sie dafür erkennbar keine gesellschaftliche Mehrheit mehr hat. Das können wir verlässlich nur stoppen, wenn die schwarz-gelbe Regierung in NRW abgelöst wird!

Rot-Grün hat zehn Stimmen Vorsprung vor Schwarz-Gelb. Also sollten wir ernsthaft prüfen, wie wir die jetzige schwarz-gelbe Minderheitsregierung aus dem Amt kriegen.

Die NRW-Landesverfassung sieht ausdrücklich die Bildung einer Minderheitenregierung vor. Hannelore Kraft kann ohne die Stimmen der Linkspartei zur Ministerpräsidentin gewählt werden und eine Regierung bilden.

Das ist der richtige Schritt für einen sozial-ökologischen Politikwechsel in NRW. Ein Verharren in der derzeitigen Situation bedeutet für NRW zweierlei:

  1. Der versprochene Politikwechsel wird zum symbolischen lähmenden Schaukampf zwischen Parlament und geschäftsführender Minderheits-Regierung.
  2. Der Wahlverlierer Jürgen Rüttgers wird gestärkt.

Es ist Fakt: Die geschäftsführende schwarz-gelbe Minderheitsregierung kann problemlos weiter regieren auf der Grundlage der bestehenden Gesetze und des beschlossenen Haushalts. Wer den Politikwechsel will, braucht nicht nur eine parlamentarische Mehrheit für Einzelvorhaben, sondern eine andere Landesregierung, die die Exekutive entsprechend führt.

Und warum bitte solle eine geschäftsführende Minderheitsregierung unter Jürgen Rüttgers, die über bestenfalls 80 Sitze im Landtag verfügt, besser sein, als eine vom Parlament legitimierte rot-grüne Minderheitsregierung mit 90 Sitzen?

Wir wissen, dass wir damit Neuland betreten, und wir dann wechselnde Mehrheiten brauchen. Der Vorteil: Die Menschen können sehen, was wir für NRW vorhaben, und wer unsere Ziele jeweils unterstützt oder blockiert. In Skandinavien ist dies parlamentarischer Alltag. Dort wird die Minderheitsregierung als Stärkung der Demokratie gesehen.

Und auch die nordrhein-westfälische Verfassung sieht diese Minderheitsregierung ausdrücklich vor:

  1. Das Amt des Ministerpräsidenten und der Minister endet gemäß Art. 62 Abs. 2 in jedem Falle mit dem Zusammentritt eines neuen Landtags. Die Verfassung spricht davon, dass sich das Amt erledigt.
  2. Daraus folgt, dass die Wahl der Ministerpräsidentin oder des Ministerpräsidenten zwingend ist. Allerdings gibt die Verfassung keinen Zeitpunkt vor, wann die Wahl spätestens stattfinden muss.
  3. Entscheidend ist aber, dass die Ministerpräsidentin bzw. der Ministerpräsident mit einfacher Mehrheit gewählt werden kann. Diese Regelung hat einen konkreten Sinn und Zweck: Es soll eine Regierung gebildet werden, die so nahe am Wahlergebnis ist, wie möglich. Damit unterscheidet sich unsere Verfassung von anderen Landesverfassungen, beispielsweise Hamburg, wo jeder Senator mit 2/3 Mehrheit gewählt werden muss.
  4. Für die Wahl der Ministerpräsidentin benötigen SPD und Grüne keine Stimme irgendeines Abgeordneten einer anderen Fraktion. In einem 4. Wahlgang ist gewählt, wer die meisten Stimmen hat.

Allein aus dem Parlament heraus zu gestalten, stößt unmittelbar an Grenzen und kann keinen Politikwechsel herbeiführen:

  • Das Parlament ist nicht befugt, einen Haushalt einzubringen.
  • Haushaltsrelevante Beschlüsse kann die geschäftsführende Regierung blockieren.
  • Kleine technische Fehler in Gesetzen hätten verheerende Folgen.

Daraus folgt: Es gibt nur einen geringfügigen Gestaltungsraum. Der von den Bürgerinnen und Bürgern gewählte Politikwechsel findet Tag für Tag nicht statt.

Frau Kraft hat gesagt, wir wollen handeln. Ja, das wollen wir auch. Aber nicht nur im Bundesrat, wenn es nicht mehr anders geht, sondern schon jetzt mit einer rot-grün geführten Administration. Nur so nur können wir wichtige politische Ziele systematisch umsetzen. Und das können wir, das wollen wir und dafür sind wir demokratisch durch das Wahlergebnis und die Verfassung legitimiert.

Natürlich respektieren wir es ausdrücklich auch, wenn es in NRW zu einer Großen Koalition kommt – wenn diese Koalition im Bundesrat die schwarz-gelben Pläne stoppt.

Aktuell,Blog · Mittwoch, 16. Juni 2010 · weiterlesen »

Meine Wahlreise durch NRW

3,66 Auftritte pro Tag

Am 9. Mai hatte das Rackern ein belohntes Ende. Bei der Landtagswahl haben wir mit 12,1 Prozent ein Rekordergebnis erzielt – und Schwarz-Gelb eine krachende Niederlage zugefügt.

12,1 Prozent – das kam nicht aus heiterem Himmel, sondern war die Ernte einer breiten Saat.

Dieses tolle Resultat war der Lohn für unheimlich viel Arbeit und eine grüne Gemeinschaftsleistung – und ich als Spitzenkandidatin will stellvertretend für die tausenden von Wahlkämpferinnen und Wahlkämpfer eine kleine Bilanz ziehen:

Seit Anfang Januar habe ich bei 261 Terminen im ganzen Land NRW neu erlebt. Im Vorwahlkampf waren es vom 4.1. bis 8.4 insgesamt 151 Termine. Im heißen Schlussspurt dann in 30 Tagen 110 Termine: Das macht im Schnitt 3,66 Termine pro Tag!

Ohne ein tolles Team hätte ich das natürlich nicht hingekriegt. Von den Fahrerinnen und Fahrern, die mich auch mal morgens um 7 Uhr in Solingen abholten und mich dort um 0.30 Uhr wieder ablieferten. Über das Wahlkampfteam der Partei, das so Vieles für mich organisiert hat. Über mein Team in der Fraktion, das mich als Fraktionsvorsitzende massiv unterstützt hat. Bis hin zu den vielen Aktiven vor Ort – die für großen und unerwarteten Zuspruch sorgten, für spannende und interessante Veranstaltungen, für gute und wichtige Gespräche, und auch für mein leibliches und seelisches Wohl! Dafür sage ich allen von ganzem Herzen: DANKE! Das war eine tolle Erfahrung.

261 Termine sind natürlich viel zu viel, um sie alle gebührend zu erwähnen, aber ein paar seien stellvertretend genannt: Der Integrationsbetrieb in Arnsberg, in dem jedes Jahr 140 Langzeitarbeitslose neue Perspektiven bekommen. Die biologische Station in Ennepetal, in der viele Kinder nachhaltig Natur erleben. Die Firma Comuna-Metall in Herford, die kleine Blockheizkraftwerke produziert. Die Werkstätten des Stifts Tilbeck, in denen Menschen mit Behinderung wichtige Schritte in die Selbstständigkeit gehen. Die Regionalexpresstour durchs Ruhrgebiet. Und natürlich die vielen, vielen Termine der Bildungstour und der Bühnentour.

Stellvertretend: Aachen, Bielefeld, Kreis Coesfeld, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen, Havixbeck, Iserlohn, Köln, Lohmar, Monschau, Neuss, Olpe, Paderborn, Remscheid, Siegen, Telgte, Kreis Unna, Viersen, Wuppertal – NRW von A bis W, von Dorf bis Großstadt, von der Eifel über Niederrhein, Bergisches Land, Rheinland und Ruhrgebiet bis ins Münster-, Sauer- und Siegerland und nach Ostwestfalen-Lippe.

Ich habe viel gesehen, viel geredet, viel erlebt. Diese Erfahrungen kann mir keiner mehr nehmen, und dafür bin ich Euch und allen Beteiligten sehr dankbar. Die 261 Termine im ganzen Land haben meinen Blick auf das Land verändert – jeder einzelne. Und ich kann nur als Bilanz ziehen:

Es lohnt sich und macht Spaß, für dieses Nordrhein-Westfalen und seine Bewohnerinnen und Bewohner gute, grüne Politik zu machen!

Aktuell,Blog · Dienstag, 1. Juni 2010 · weiterlesen »

Impressionen vom Bildungsstreik in Düsseldorf, 05.05.2010

Am 05.05.2010 wurde es noch einmal richtig laut und bunt vor dem Landtag. Zunächst demonstrierten Grundschulkinder und Schülerinnen und Schüler der Sekundarstufe I für eine Schule für Alle – das Inklusionsfest wurde mit viel Musik und Tanz veranstaltet. Es reisten sogar Kinder des gemeinsamen Unterrichts aus Ostwestfalen-Lippe an, um eine Schule für alle Kinder zu fordern.

Gegen 13 Uhr kamen dann die älteren DemonstrantInnen des Bildungsstreiks auf den Platz vor dem Landtag. Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten wanderten vom Düsseldorfer Hauptbahnhof bis zum Landtag und lösten ihre jungen Kolleginnen und Kollegen mit ihren Protesten ab. Sylvia besuchte die Studierenden und SchülerInnen mit Cem Özdemir. Es wurde kreativ gestreikt. Ca. 4000 DemonstrantInnen waren vor Ort (die Inklusions-Demo nicht eingerechnet).

Hier zunächst das Video zum Bildungsstreik von der Landesgeschäftsstelle der Grünen. Weiter unten einige fotografische Impressionen von den zwei Demonstrationen:

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Fotos vom Inklusionsfest: Kristina Beer
 

Foto: Guido von Wiecken

 

Foto: Guido von Wiecken

   
   
   
Fotos vom Bildungsstreik der Studierenden und Schülerinnen und Schüler: Guido von Wiecken
   
   
   
   
   
   
   
   
   
   
Aktuell,Blog · Donnerstag, 6. Mai 2010 · weiterlesen »

Video und Fotos zu Sylvias Regionalexpresstour

Auch hier noch ein paar nachgereichte Fotos und ein Video von Sylvias Regionalexpresstour vom 04.05.2010.

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Sylvia spricht mit Fahrgästen
   
   
   
   
   
   
Aktuell,Blog · Dienstag, 4. Mai 2010 · weiterlesen »

Live-Blog: Sylvia-Ruhr-Express

Frank Krupka und Sylvia während der Tour

Wahlkämpfer Frank Krupka unterwegs mit der Spitzenkandidatin

 

Frank Krupka macht Wahlkampf. Drei Wochen lang. Der Chemietechniker aus Mönchengladbach hat sich dafür drei Wochen Urlaub genommen – und heute ist der Niederrheiner ins Ruhrgebiet gereist. Er begleitet Sylvia Löhrmann auf ihrer Regionalexpress-Tour. Und hier berichtet er von seinen Eindrücken.

8 Uhr: Startbahnhof Düsseldorf

In Düsseldorf treffe ich das ganze grüne Team. Und gleich hat einer die tolle Idee, dass ich über die Tour auf Sylvias Seite berichten soll. Super. Aber es wird nur knappe Berichte von mir geben. Denn ich bin hier, um Wahlkampf zu machen. Material zu verteilen. Mit Leuten zu sprechen. Um 8.22 Uhr geht es los. Rein in den RE 1, zusammen mit Sylvia Löhrmann.

8.40 Uhr: Haltepunkt Duisburg

In Duisburg der erste Halt. Noch ist es ziemlich kalt, so zehn Grad. Aber das schreckt uns nicht. Stattdessen wärmen wir uns durch Bewegung auf. Gehen durch den Bahnhof, verteilen jede Menge Flyer. Natürlich am liebsten der mit dem Titel „Freuen Sie sich auf Ihre Beförderung – Mehr Busse und Bahnen für NRW“.

Sylvia spricht mit Fahrgästen

Sylvia im Gespräch mit Fahrgästen

Die Flyer gehen weg wie warme Semmeln – das war nicht immer so. Die Stimmung ist gut für uns Grüne. Aber kein Wunder: Schließlich sind wir ja die Partei des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV). Den müssen wir ausbauen! Und wer weiß das besser, als Pendlerinnen und Pendler, die täglich mit überfüllten Zügen und Verspätungen zu kämpfen haben.

9.49 Uhr: Haltepunkt Oberhausen

Oberhausen ist die ärmste Stadt in Nordrhein-Westfalen. Habe ich gerade von Sylvia Löhrmann erfahren. Da ist natürlich die Lage der Städte und Gemeinden ein großes Thema. Und viele sind echt sauer darüber, dass die FDP noch mehr Geld an die Reichen verschenken will. Und Städte wie Oberhausen noch weniger Geld im Stadtsäckel haben werden. Ein echter Aufreger hier in Oberhausen.

Da tut ein kleiner Tanz zu Samba-Rhythmen gut. Denn die kleine Samba-Gruppe „Ruhrgebeat“ begleitet uns ab jetzt den ganzen Tag und sorgt für Stimmung und Aufmerksamkeit.

Doch genug jetzt: Ich muss weiter Flyer verteilen.

10.58: Haltepunkt Gelsenkirchen

Mit Beat am Bahnsteig

Auch Gelsenkirchen ist gebeutelt. Doch neben der Finanzlage ist bei den Leuten auch Griechenland ein wichtiges Thema. Als wir ihnen die grüne Position erklären: Europäische Solidarität – aber auch europäisches Handeln. Gemeinsam muss Europa für zwei Dinge soprgen: 1. künftige Krisen verhindern und 2. die Banken künftig an den Kosten beteiligen – mit einer Finanztransaktionssteuer. Dafür gibt es Sympathien.

12.07 Uhr: Haltepunkt Herne

Im Norden des Ruhrgebiets. Schon beim Ankommen werden wir vom heimischen Landtagskandidaten Peter Hugo Dürdoth per Mikrofon begrüßt. Sylvia wirbt auch in Herne vor dem Bahnhof für einen Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs. Hier in Herne gibt es da ein krasses Beispiel: Menschen im Rollstuhl oder Eltern mit Kinderwagen kommen in Herne zum Teil nicht auf den Bahnsteig. Das wollen die Grünen ändern.

Und dann per Mikro ein Schnelldurchlauf von Sylvia Löhrmann durch den grünen Zukunftsplan für NRW: Beste Bildung für Alle, Energiewende für das Klima und für Arbeitsplätze, Städte und Gemeinden vor der Pleite retten. Kurz, prägnant und verständlich. So kommt sie rüber.

Zwischen Herne und Dortmund

Ganz witzig, Sylvia dabei zu beobachten, wie sie ein Portrait in der Financial Times Deutschland über sich liest. Da steht drin: “Könnte zu einer der mächtigsten Frauen im Land werden”. Liest’s und lacht.

13:30 Uhr: Haltepunkt Dortmund

Gerade wurde ich Zeuge, wie das Team Sylvia zwei CDU-Wählerinnen überzeugte. Erst mit Inhalten: 100.000 Jobs durch Gebäudesanierung. Dann durch Personen: Sie wurden nach dem Gespräch noch der Spitzenkandidatin vorgestellt, fanden sie klasse, schon bei der Elefantenrunde, und nun auch im persönlichen Gespräch. Wenn sie ihr Versprechen halten, kriegen wir ihre Zweitstimme.

Dann trafen wir noch Jürgen Rüttgers. Eine Luftnummer! Denn sein Schriftzug schwebte auf einem Zeppelin über Dortmund. Da ist mir der handfeste Straßenwahlkampf doch sympathischer. Lieber geerdet als abgehoben!

15:17 Uhr: Haltepunkt Bochum

Toller Empfang in Bochum: Vor dem Bahnhof wartet das Lastenfahrrad der Grünen auf uns – mit Grünem Sonnenschirm. Und den brauchen wir: Wie es ein Bochumer schon am Morgen versprochen hatte: In Bochum scheint die Sonne. Zusammen mit der Sambagruppe “Querbeat” spazieren wir durch die Innenstadt bis zum Infostand der Grünen. Dort wieder reges Interesse an Infos und an Gesprächen. Nochmals zum Rüttgers-Zeppelin zurück: In Dortmund war es noch dicht bewölkt. Mich wundert nicht, dass Rüttgers den blauen Himmel meidet – schließlich scheint für ihn gerade nicht unbedingt die Sonne. Und daran wird sich hoffentlich nach dem 9. Mai auch nichts ändern.

16:30 Uhr: Endstation Essen

Der Abschluss unserer Regionalexpress-Tour ist in Essen. Auch hier bei schönem Wetter richtig viel los. Sylvia führt viele Gespräche – ich bin zu weit weg, weil ich Materialien verteile. Aber sie erzählt nachher, dass sie es spannend findet, dass die Menschen ganz gezielt auf sie zukommen – mit ganz konkreten Fragen. Einer etwa hat Angst um den Kulturetat der Städtet – dass es da den Bach runter geht. Da kam unser Konzept zur Rettung der Städte und Gemeinden natürlich gut an. Oder ein anderer verwies auf die Notwendigkeit des Betreuten Wohnens. Auch da ist der Verweis auf unseren Zukunftsplan natürlich möglich: Auch dazu haben wir gute Sachen drin.

Insgesamt ein spannender Tag mit der Spitzenkandidatin. Wieder viele neue Wählerinnen und Wähler bekommen – und ziemlich oft der Spruch: Ich wähle Euch sowieso!

Bericht: Frank Krupka, Fotos: Jakim Essen
Aktuell,Blog · Dienstag, 4. Mai 2010 · weiterlesen »

Tourbericht vom 27.04. aus Gangelt, Wesseling, Godorf und Köln

Sylvias Termine vom 27.04. führten sie vor allem in den Westen von Nordrhein-Westfalen. Es waren wieder einige Schultermine dabei, aber auch Natur- und Umweltschutzprobleme, kommunale Baumaßnahmen und die Ruhr 2010 standen auf der Agenda.

Therapiehund Nemo fordert und fördert

Therapiehund Nemo

Zusammen mit den Grünen KandidatInnen vor Ort und Ruth Seidl, Grüne Abgeordnete aus Heinsberg,  besucht Sylvia am morgen die Mercator-Förderschule in Gangelt, um sich über die Schule zu informieren, da sie besondere Angebote bereit hält. So wurde Syvia  nicht nur von Therapiehund Nemo begrüßt, der die Schülerinnen und Schüler spielend fordert und fördert, sondern konnte auch einen Einblick in den Unterricht nehmen und mit einem Schüler sprechen. Die Mercator-Förderschule arbeitet integrativ und schafft es, viele Kinder, die durch das enge Raster des bisherigen Schulsystems gefallen sind, wieder aufzubauen und in Ausbildungen zu vermitteln.

Sylvia, Grüne vor Ort und Ruth Seidl

Aber auch diese Schule stellt sich die Zukunftsfrage. Wie kann der Schulstandort gehalten werden und wird es bald Kooperationen mit anderen Schulen geben? Die ortsansässigen Grünen diskutieren mit Sylvia bei einem späteren Pressegespräch genau über diese zukunftsweisenden Fragen. Besonders im ländlichen Raum müssen die Konzepte gut sein, um Schulstandorte nachhaltig zu stärken – die Infrastrukturen dürfen nicht geschwächt werden.

Zusammen und doch getrennt, Schulzentrum Wesseling

Sylvia wird das Schulgelände gezeigt

Der nächste Termin führt Sylvia nach Wesseling. Auch dort geht es um Schule.  Das Schulzentrum Wesseling führt deutlich vor Augen, dass wir in NRW eine separierenden Schulstruktur haben. Zwar werden alle Bildungsgänge an einem Ort angeboten – Hauptschule, Realschule und Gymnasium teilen sich ein Grundstück – vor Ort werden die Schülerschaften aber klar getrennt, sogar mit Zäunen mitten auf dem Schulhof.  Die Szenerie erinnert bei der Ortsbegehung stark an die alten Schulhofmodelle, die eine Trennung von katholischen und evangelischen Kindern vorsahen. Es gibt einen Schulhof, aber er wird von einer Linie getrennt, die kein Schüler übertreten darf. Wie erwähnt, in Wesseling wird zwischen der  Hauptschule und den beiden anderen Schulformen aber sogar ein Zaun gestellt.

Sylvia öffnet den Zaun zum Hauptschulschulhof

Die Grünen vor Ort sehen in diesem System keine Zukunft, ebenso wie Sylvia. Vor allem die Anmeldezahlen an den einzelnen Schulformen erzwingen auf lange Sicht eine Debatte um eine richtige Zusammenlegung der Schulen. In Wesseling werden die Schülerinnen und Schüler aber so lange getrennt, wie es geht.  Selbst die neu gebaute Mensa darf von den Schülerinnen und Schülern der verschiedenen Schulformen nicht gleichzeitig benutzt werden.

Treppen über Bäume

Eine alte Dame hat diesen Spruch in Wesseling geprägt

An der Uferstraße wird der Bauplan begutachtet

In Wesseling gibt es allerdings noch mehr Baustellen. An der Uferstraße wurde im Rahmen der Ruhr 2010 eine Ufertreppe geplant, die die Einwohner Wesselings ablehnen. Für die Treppen müssten viele alte Bäume gefällt werden und auch die anderen Veränderungen erscheinen nicht sinnvoll. Im Klartext: Es soll reichlich Geld in den Sand gesetzt werden und das auch noch gegen den Willen der Bürgerinnen und Bürger. Dementsprechend hat sich eine Bürgerinitiative gegründet, die sich gegen den Umbau wehrt. Sylvia hört sich das Anliegen der Initiative an und verspricht, dass dieses Thema – soweit es auf der Landesebene zu klären ist – durch eine Anfrage im Landtag weiter beleuchtet wird. Womöglich ist da noch etwas zu machen.

Eine Fröschin als Gastgeschenk

Nach diesem Termin gehen die Wesselinger Grünen mit Sylvia ins Rathaus. Dort kann noch einmal ein reger Austausch zur Kommunal- und Landespolitik geschehen. Die Presse ist immer dabei und hier und da wird die Koalitionsfrage noch einmal auf den Tisch gebracht. Rot-Grün hat gute Chancen, umso motivierter zeigen sich alle Grünen vor Ort und auch Sylvia. Besonders freut sie sich über ihr Gastgeschenk – eine kleine Fröschin, die direkt im Tourauto installiert wird.

Protest im Grünen gegen den Godorfer Hafen

Ort der Mahnwache in Gondorf

Die Wesselinger Grünen hatten aber noch einen Termin vorgeschlagen. Es geht ab ins Grüne, nach Godorf. Dort wird seit gut 27 Jahren – mal besser, mal schlechter – der Bau eines eigenen Hafens geplant, obwohl es in der direkten Umgebung genügend Häfen gibt. Auch hier ist eine starke Grün-bewegte Bürgerinitiative engagiert und wehrt sich immer noch erfolgreich gegen die Denkblockaden in einigen politischen Lagern. Wirtschaftlich wäre ein Hafen in Godorf nicht, zu allem Übel würde durch den Hafenbau aber auch ein Naturschutzgebiet zerstört. Während wir mit Sylvia an der Mahnwache der Initiative stehen – einem großen Wagen, der im Sommer und Winter Raum für Proteste bietet – kommen viele Jogger, FahrradfahrerInnen und Familien mit Kindern und Hunden an uns vorbei. Sie nutzen das Naturschutzgebiet intensiv, aber zerstören es nicht. Auch deswegen sollte vom Godofer Hafen Abstand genommen werden. Kurios sind die kreativen Ideen der Initiative. Wenn man die großen Volksparteien nicht von Außen umstimmen kann, dann muss man sie eben von Innen bekehren. Um die Ortsverbände der CDU für den Schutz der Landschaft und der Bevölkerung zu gewinnen, und auch großen wirtschaftlichen Schaden von Godorf abzuwenden, sind manche Engagierte einfach in die CDU eingetreten, um dort andere Mehrheiten zu schaffen. Die Geschichte wird mit so viel Schwung erzählt und enthält so viele interessante Wendungen, dass Sylvia lachend dazu rät, sie solle doch aufgeschrieben werden – und auch bei den Wesselinger Grünen bedankt sie sich für dieses besondere, abwechslungsreiche und auch amüsante Programm.

Leistungsstark, vielfältig und gerecht

Während der Podiumsdiskussion

Die letzten Termine des Tages finden in Köln statt. Dort nimmt Sylvia an einer Podiumsdiskussion der Kölner Grünen zu dem Thema ‘Leistungsstark, vielfältig und gerecht – Schule der Zukunft’ teil. Als Einstimmung werden fünf Minuten aus der Dokumentation ‘Treibhäuser der Zukunft’ gezeigt, eine Dokumentation über Schule, wie sie sein könnte. Sylvia wird gleichzeitig von einem ZDF-Team begleitet und diskutiert eifrig mit WissenschaftlerInnen, LehrerInnen und KandidatInnen aus Köln. Das Feedback für uns Grüne fällt sehr positiv aus. Es wird aber auch gemahnt: Bleiben die richtigen Schritte aus, werden die Kinder wegen den bestehenden Denkblockaden in der Schuldebatte auf Dauer bestraft – durch schlechtere Leistungen, Chancen- und Perspektivlosigkeit.

Im Wahlcheck

Sylvia im Wahlcheck

Zuletzt stellt Sylvia sich dann noch dem WDR Wahlcheck der Aktuellen Stunde. Bürgerinnen und Bürger stellen ihr direkt Fragen, die sie trotz der späten Uhrzeit umfassend beantwortet. Das dafür nötige Studio wird kurzerhand im Bürgerhaus Stollwerk eingerichtet, dort, wo auch die Podiumsdiskussion stattgefunden hat.

Fotos, Bericht und Begleitung:  Kristina Beer
Aktuell,Blog · Mittwoch, 28. April 2010 · weiterlesen »

Anti-Atom-Demo in Ahaus

Sylvia während der Kundgebung

Schon seit mehreren Monaten liefen in Grünen Kreisen und der breiten Anti-Atom-Bewegung die Vorbereitungen zu einer der größten Anti-Atom-Demos in Deutschland auf Hochtouren. Zum 24. Jahrestag der Tschernobylkatastrophe wurde einerseits die KETTENreAKTION zwischen den Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel und andererseits die Anti-Atom-Demo am Zwischenlager in Ahaus verwirklicht. Zwischen Krümmel und Brunsbüttel reihten sich über 100.000 Anti-AKW-Aktivisten in eine Menschenkette, die über 120 Kilometer reichte. In Ahaus versammelten sich ca. 7.000 Gegner, die vom Ahauer Bahnhof bis zum Zwischenlager marschierten.


Sylvia war in Ahaus mit dabei – und mit ihr viele Grüne aus NRW und dem Bund. Um hier nur einige zu nennen: Britta Haßelmann,  Bärbel Höhn, Claudia Roth, Daniela Schneckenburger, Volker Beck, Oliver Krischer, Hermann Ott und Malte Spitz.

Die Bewegung war bunt durchmischt und friedlich. Das Wetter so gut, dass wir wohl alle mit reichlich Sommerbräune nach Hause gegangen sind. Die mitgebrachten Fotos können hier wohl am Besten wiedergeben, wie gut die Stimmung vor Ort war und wie breit die Anti-Atom-Bewegung in Deutschland und seinen Nachbarländern aufgestellt ist. Der Ausstieg aus dem Atomausstieg, wie schwarz-gelb ihn im Bund und in NRW plant, wird mit uns nicht zu machen sein!

Viel Spaß nun mit unseren Bildern von der Anti-Atom-Demo in Ahaus!

 
   
   

Fotos, Bericht und Begleitung:  Kristina Beer
Aktuell,Blog · Sonntag, 25. April 2010 · weiterlesen »
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