Sylvia Löhrmann \ Aktuell \ Unterwegs in Sachen Bildung in Düsseldorf und Gelsenkirchen

Unterwegs in Sachen Bildung in Düsseldorf und Gelsenkirchen

Diskussion zum Bochumer Memorandum

In keinem anderen Land der OECD hängt der Bildungserfolg so stark von der sozialen Herkunft ab wie Deutschland. Und in Nordrhein-Westfalen gilt das ganz besonders. Das ist das erschreckende Ergebnis einer heute veröffentlichten Studie.

Das Bochumer Memorandum von 2005, von GEW und DGB entwickelt, hatte zehn Ziele für die Bildungspolitik bis 2010 formuliert, die wissenschaftlich begleitet und evaluiert wurden. Das Ergebnis: Die soziale Spaltung in der Bildung ist unter Schwarz-Gelb gewachsen.

Beispiele: Es gibt zwar erheblich weniger Sitzenbleiber, aber nicht an der Hauptschule. Und es bleibt bei der viel zu hohen Quote von jungen Leuten, die überhaupt keinen Schulabschluss bekommen.

GEW und DGB haben diese Ergebnisse heute vorgestellt und in der Handwerkskammer Düsseldorf diskutiert. Klaus Kaiser (CDU) und Ralf Witzel (FDP) bildeten schnell ein Lager – erschreckend, wie stark die Beharrungskräfte am Aussortieren im gegliederten Schulsystem bei den beiden sind.

Erfreulich dagegen ist, dass sich Ute Schäfer von der SPD auch unserem Weg der Schulentwicklung angeschlossen hat: Die Schule der Zukunft kann nur von unten entwickelt werden kann, gemeinsam mit den Städten und Gemeinden, den Eltern, den Lehrkräften, den Schülerinnen und Schülern. Große Einigkeit für den Weg, den wir seit langem beschreiben.

Amüsant war ein kleiner Disput mit Klaus Kaiser. Der versuchte aufgrund fehlender Argumente ein kleines Ablenkungsmanöver: „Jetzt haben Sie das Bewerbungsschaulaufen einer ehemaligen Schulministerin und einer, die es werden will, erlebt.“ Mein Konter: „Das ist der pure Neid.  Sie von der CDU wären doch froh, wenn Sie nur eine einzige Person hätten, die dieses wichtige Amt vernünftig ausführen kann.“ Ich vermute mal, dass nicht wenige aus dem Publikum Frau Sommer im Kopf hatten, als sie herzlich lachten – und selbst Kaiser hob dafür seinen Daumen.

In der anschließenden Expertenrunde forderten beinahe alle Vertreter längeres gemeinsames Lernen – verbunden mit besserem Unterricht. Also genau unser Mantra: innere und äußere Schulreform gehören zusammen.

Kinderfreundliches Gelsenkirchen

Auch in Gelsenkirchen ein Podium, allerdings nur von Grünen besetzt. Gemeinsam diskutierte ich bei dieser Wahlkampfveranstaltung mit den Gelsenkirchener Landtagskandidaten Paul Humann und Dennis Melerski, dem schulpolitischen Sprecher der Grünen Ratsfraktion David Fischer und natürlich dem Gelsenkirchener Bildungsdezernenten, Manfred Beck. Und ich fand es klasse zu hören, dass Gelsenkirchen unter den fünf verbliebenen Kandidaten für den European Award of Excellence „City for Children“ ist – als letzte deutsche Stadt.

Das ist ein toller Erfolg – und Gelsenkirchen ein Beispiel, wie sich auch eine arme Stadt um beste Bedingungen für die Kinder sorgt und Erfolge erzielt. Weil Gelsenkirchen unter Rot-Grün erkannt hat, dass die Zukunft von der Bildung der Kinder abhängt. Manfred Beck, der Grüne Bildungsdezernent sagte dazu prägnant: „Unsere Schulen sind nur gut, weil unsere Straßen schlecht sind.“ Es ist angesichts der Finanzlage der öffentlichen Haushalte eben auch eine Frage der Prioritäten.

Doch Gelsenkirchen ist auch ein Beispiel für die Emotionen, die der CDU/FDP-Schulkrieg hervorruft. Da geht es um das Schalker Gymnasium, das zur Debatte steht – schlicht, weil die Schülerzahlen in der gesamten Stadt fast um die Hälfte geschrumpft sind. Der politische Gegner aber nutzt das für die Schulstrukturdebatte. Betroffene und engagierte Eltern diskutierten mit uns – und das war richtig spannend. Sie haben bestätigt: Sie wollen ihre Kinder nicht auf die Hauptschule schicken, aus Angst vor fehlender Perspektive. Es hat mir auch wieder bewiesen: Die richtige Schulentwicklung muss vor Ort entschieden werden, im Konsens mit möglichst vielen Beteiligten. Nur so können wir die Ängste nehmen und zum Aufbruch zur Schule der Zukunft gelangen. Wenn aber Schulentwicklung vor Ort in den Schulkriegs-Wahlkampf gezogen wird, dann gibt es Streit und eben keine Entwicklung. Ein spannender Bildungstag und Bildungsabend.

Ein Kommentar

  1. Bildung ist ein ganz wesentlicher Faktor für alle Menschen. Diese sollte nicht von der Herkunft abhängig gemacht werden. In jedem steckt ein Genie. Es muss nur gefördert werden. Dann könnte der Fachkräftemangel auch schneller überwunden werden und das Land wäre produktiver.

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