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Landesregierung verfehlt das Klassenziel

Bochumer Memorandum

Zu der heute vorgestellten Studie zum “Bochumer Memorandum” von DGB und GEW erklärt die Fraktionsvorsitzende Sylvia Löhrmann MdL:

“Die Studie bestätigt in bedrückender Weise unsere Befürchtungen zu den Auswirkungen der Bildungspolitik von CDU und FDP.

Anstelle eines echten Bildungsaufbruchs für alle hat diese Landesregierung die soziale Selektion verschärft. Das Gymnasium wurde mit der Zwangsschulzeitverkürzung von den anderen Schulformen abgekoppelt. Der Nachhilfebedarf steigt und schlägt bis in die Grundschule durch, viele Kinder halten dem Leistungsdruck nicht stand.

Gleichzeitig ist die Hauptschuloffensive gescheitert. Trotz der massiven Stützung der Hauptschule sind ausgerechnet dort die notwendigen Verbesserungen ausgeblieben. So wird zum Beispiel das Ziel der Halbierung der Sitzenbleiberquote deutlich verfehlt.

Seit 2003 liegt die wissenschaftliche Analyse auf dem Tisch (s.u.). Wir müssen aufhören mit der Aufteilung von Kindern im Alter von neun Jahren in Schulformschubladen. Mit dem ideologischen Festhalten am gegliederten Schulsystem werden Kindern systematisch Bildungschancen vorenthalten.

Wir Grüne wollen ein gerechtes, Individualität und Leistung förderndes Schulsystem für NRW, das alle Kinder und Jugendliche ermutigt und stärkt. Wir unterstützen deshalb die Forderung der Expertinnen und Experten nach einem Neuanfang hin zu einer Schule für alle, die wir mit den Beteiligten vor Ort entwickeln wollen. Zudem unterstützen wir die Forderung nach mehr Bildungsinvestitionen und auch einem regelmäßigen Bildungsmonitoring.”

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Anmerkungen:

“Je früher Schülerinnen und Schüler auf unterschiedliche Bildungsgänge verteilt werden, desto kürzer wird das Zeitfenster, das für schulische Interventionen zum Ausgleich herkunftsbedingter Leistungsunterschiede zur Verfügung steht … Mit frühen Differenzierungsentscheidungen nehmen … die sozialen Disparitäten der Bildungsbeteiligung zu.“ Baumert, J./Artelt, C. (2003, S. 190): Bildungsgang und Schulstruktur. In: Pädagogische Führung, Heft 4, S. 188 –192.

„Die Entwicklungskurven der Spitzenschüler verlaufen in der Grundschule und in der Unterstufe des grundständigen Gymnasiums parallel – und zwar nicht nur im Lesen, sondern … auch in der unterrichtsabhängigen Domäne Mathematik.“ Deshalb sprechen die Befunde der ELEMENT-Studie „gegen die Annahme, dass mit dem frühen Übergang auf ein grundständiges Gymnasium eine generelle Förderung … besonders leistungsfähiger Schülerinnen und Schüler erreicht wird.“ Baumert, J./Becker, M./Neumann, M./Nikolova, R. (2009, S.  211 f.; S. 189): Frühübergang in ein grundständiges Gymnasium – Übergang in ein privilegiertes Entwicklungsmilieu? In: Zeitschrift für Erziehungswissenschaft, 12. Jg., Heft 2, S. 189 – 215.