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Fragen und Antworten zum Thema Inklusion

Ganz unterschiedliche Meinungen und Fragen zu unserer Forderung nach einer Schule für alle Kinder erreichen mich in letzter Zeit über diese Internetseite.

So schrieb eine Besucherin meiner Seite sehr persönlich über ihre Tochter, dass sie eine Einladung zu einem Vortrag bekommen habe, in dem es darum gehen solle, dass behinderte und nicht behinderte Kinder gemeinsam an “normalen” Schulen unterrichtet werden sollten. Sie empfand den Gedanken als nicht angenehm, hatte sie doch die Erfahrung gemacht, dass ihre Tochter mit Down-Syndrom an der Förderschule für geistig Behinderte gut aufgehoben gewesen sei und dies der beste Weg für sie gewesen war, ja,  sie auch dort entsprechend – bis in die Berufstätigkeit hinein – gefördert wurde. Ihrer Erfahrung nach würden wenige behinderte Kinder in einer Schule für alle regelrecht gemobbt, da sie dort eine Minderheit darstellten.

Meine Antwort:

Ich kann Ihnen versichern, dass ich die Förderschulen der Bergischen Region, wo ich zuhause bin, kenne und ihre Arbeit sehr schätze (zu nennen ist da z.B. die Troxler-Schule in Wuppertal), und dass weder ich, noch andere Grüne, noch das grüne Programm  sich in irgendeiner Weise gegen diese Schulen und ihre Arbeit geäußert haben.

Und es freut mich sehr, wenn Sie kompetente Hilfe und Unterstützung erfahren haben und diese wertschätzen – dies möchte ich Ihnen gewiss nicht schlecht reden.

Jedoch gab es in der Vergangenheit und gibt es im Moment wieder Zwangszuweisungen an Förderschulen, wo weder Eltern noch Kinder dies wollen oder als geeignete Maßnahme empfinden. Insbesondere diejenigen, die in der Grundschule am Gemeinsamen Unterricht teilnehmen konnten und nun keinen Platz in einer weiterführenden Schule im GU bekommen, empfinden dies als besonders hart.

Wir Grüne wollen – das ist das Ziel! – die Entwicklung unserer Schulen zu inklusiven Schulen. Ein Recht auf Gemeinsamen Unterricht bedeutet ja keinen Zwang zum Gemeinsamen Unterricht. Wir Grüne wollen das WAHLRECHT der Eltern.

Dieser Paradigmenwechsel und Umbau wird sich sicher nicht von heute auf morgen vollziehen. Aber er bedeutet natürlich, dass die sonderpädagogische Kompetenz in den Regelschulen auch mit Stellen fest verankert werden muss. Ich zitiere hier unsere Vorstellungen, wie sie auch im Programm zur Landtagswahl formuliert sind:

“Wenn wir als Grüne von einer Schule für alle Kinder sprechen, schließt dies Kinder und Jugendliche mit Behinderung ausdrücklich ein. Wir streben ein inklusives Schulsystem an, wie es die UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderung einfordert. Schülerinnen und Schüler mit einer Behinderung haben ein Recht auf inklusive Bildung. Zur Umsetzung wollen wir die Rahmenbedingungen deutlich verbessern. Wir wollen Schulen personell und räumlich so ausstatten, dass sie die individuelle Förderung der Schülerinnen und Schüler mit Behinderungen umsetzen können. Schulen müssen generell barrierefrei ausgebaut sein. Wir wollen einen verbindlichen Inklusionsplan aufstellen. Dazu gehört: Inklusive Lerngruppen sollen maximal eine Klassengröße von 20 Kindern haben. Kinder mit Behinderung sollen selbstverständlich auch die Ganztagsangebote wahrnehmen können. Sonderpädagoginnen und -pädagogen haben ihren festen Platz in den Regelschulen, ebenso Integrationsassistenzen. Kompetenzzentren entwickeln sich zu Fortbildungs- und Beratungszentren für die Lehrkräfte.”

Ich kann nicht ganz erkennen, wie Ihre Erfahrungen beziehungsweise die Ihrer Kinder dem Gedanken “Einer Schule für alle Kinder” entgegenstehen.

Ich lade Sie herzlich ein, sich einmal die Videos der Initiative “Eine Schule für alle” , die derzeit auch in den Kinos zu sehen sind, anzuschauen.

Ein anderes Beispiel – genau gegensätzlich:

Ich habe eine behinderte Pflegetochter (16 Jahre alt Down Syndrom), die eine Schule für geistig behinderte Kinder besuchen muss. Leider vermittelt man dort nicht Lesen, Schreiben, Rechnen, sondern überwiegend Lebenspraxis.

Seit über 6 Jahren unterrichte ich meine Tochter privat zuhause. Meine Frage: Muß das sein? Sie geht den ganzen Tag in die Schule und lernt dann anschließend bei mir. Sie liest sehr gerne und sehr gut. Sie surft sehr gerne im Internet und sucht sich dort viele Infos, die sie braucht.

Wieso ist es nicht möglich, die fitten behinderten Kinder individuell zu unterrichten? Warum hat die Schule das Recht, diese Elternwünsche glatt abzulehnen bzw. zu sagen: ja wir machen was, aber dann doch nichts tun? Wieso darf sie keine Schulbücher, Hefte und Federmäppchen haben? Warum muss sie das einzige meiner Kinder sein, das nie was vorzeigen kann? Sie ist oft sehr traurig, wenn sie sieht, wie ihre Schwestern stolz ihre guten Noten oder ihre Hefte zeigen.

Warum wird es uns Eltern so verflixt schwer gemacht, wir müssen schon genug kämpfen. Sei es um Therapien, Medikamente, Pflegestufen, Behindertenausweis uvm.

Ich bin kein Einzelfall. Bei unserem regelmäßigen Austausch höre ich immer wieder, wie schlimm die Schulsituation für behinderte Kinder ist.

Es ist eine schöne Schule, die meine Tochter besucht, und die Pädagogen sind auch sehr nett, aber das ist nicht genug.

Meine Antwort:

Ihre Klage höre ich nicht zum ersten Mal. Zahlreiche Eltern haben sich inzwischen zusammengeschlossen und fordern “Eine Schule für alle Kinder”, gemeinsam mit uns GRÜNEN.

Im Frühjahr 2009 hat die Bundesrepublik die UN-Konvention für die Menschen mit Behinderungen ratifiziert. Danach hat jedes Kind – auch das mit Behinderungen – das Recht auf Teilhabe am allgemeinen Bildungssystem, das heißt auf inklusive Bildung im Gemeinsamen Unterricht von Kindern mit und ohne Behinderungen. Dass in NRW bislang etwa 85% der Kinder mit Förderbedarf aussortiert und auf Förderschulen unterrichtet werden, was in vielen Fällen auch noch gegen den Wunsch der Eltern geschieht, widerspricht der UN-Konvention.

Wir GRÜNE setzen uns seit Jahren auf allen Ebenen für Inklusion ein.

Auch wenn die Schule, die Ihre Pflegetocher besucht, schön ist, und die Pädagogen nett sind, so geben Sie sich – völlig zu Recht – damit nicht zufrieden. Kinder, auch die mit Behinderungen, wollen gefordert werden. Aus meiner Sicht geht dies am besten in einer Schule für alle Kinder, in der auf die individuellen Bedürfnisse eines jeden Kindes eingegangen werden kann. Wenn Sie mehr über unser Programm erfahren wollen, können Sie dies gerne auf www.gruene-nrw.de nachlesen – auch zum Thema Bildung gibt es dort ein paar Informationen, Interviews und Videos.

Lassen Sie nicht nach in Ihrem Engagement für Ihre Pflegetochter! Ich verspreche Ihnen, dass ich, gemeinsam mit meiner Partei, uns weiterhin mit aller Kraft für die Umsetzung unseres inklusiven Konzept einsetzen werden. Je besser unser Wahlergebnis wird, desto größer wird die Chance.

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