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Live-Blog: Im Herzen des Ruhrgebiets

Sylvia führt die ersten Telefonate auf dem Weg zu Terminen

Das Wetter ist diesig, der Berufsverkehr rollt. Wir schreiben den 08. April 2010 und schon in einem Monat ist in Nordrhein-Westfalen Wahltag. Sylvia ist heute im Herzen des Ruhrgebiets unterwegs. Erst Oberhausen, dann Essen, später – mehr im Grünen – Borken (Münsterland).

An Sylvias Seite sind heute zwei junge Frauen. Zum einen Mareike Bärmann, unsere Wahlkampf-Fahrerin und Mitarbeiterin in der Landesgeschäftsstelle der Grünen und zum anderen ich, Kristina Beer, Volontärin der Grünen Pressestelle im Landtag. Zu dritt sind wir nun schon auf dem Weg zu unserem ersten Termin.

Sylvia wird ein mittelständisches Unternehmen besuchen. ATHERM hat sich auf die Produktion von Holz-Pelletsbrennkesseln und Solarspeicheranlagen spezialisiert. Gleich sind wir da.

Ein Self-Made-Man

Turgut Aksoy (2. von rechts) erklärt die Funktion seiner Anlagen

Bei der Betriebsbesichtigung

Die Firma, die wir besuchen, offenbart, welche Innovationskraft im Ruhrgebiet steckt. Alle Pelletsanlagen, die uns gezeigt werden, sind selbst entwickelt worden und mittlerweile patentiert. Hinter dem Unternehmen steht kein großer Geldgeber. Turgut  Aksoy hat  das Geld für den Aufbau seines Betriebs selbst erarbeitet und stets sofort in neue Entwicklungen investiert. Ziel ist für ihn: Bezahlbare, umweltschonende Heiztechniken. Schwierig ist für ihn, dass die Förderpraxis von umweltschonenden Techniken in Deutschland stets variiert. Besonders bei den Kunden schafft das Verunsicherung und ihm kann schnell wirtschaftlicher Schaden drohen.

Turgut Aksoy zeigt uns einen Brennkessel

Turgut Aksoy zeigt uns einen Brennkessel

“Die Menschen investieren nicht in Solaranlagen oder Pelletsanlagen, wenn nicht klar ist, wieviele Fördergelder es für diese Technik gibt.” Aksoy wünscht sich hier mehr Verbindlichkeit, auch damit er genau weiß, welche Investitionen sich für ihn lohnen. Seinen Betrieb möchte er gerne weiterführen und die Technik weiter verfeinern. Turgut Aksoy hat eine Ausbildung zum Heizungs- und Lüftungsinstallateur gemacht und wurde von der IHK bundesweit als Bester seines Jahrgangs ausgezeichnet.  Der Erfindergeist steckt in ihm.

Sylvia sieht die Gefahren für mittelständische Unternehmen, die innovativ arbeiten wollen, aber denen unnötige Hürden gestellt werden. Im Gespräch werden noch mehr Probleme aufgedeckt.

Sylvia wird der Betrieb gezeigt, im Hintergrund Solarkollektoren

Sylvia informiert sich über den Betrieb, im Hintergrund Solarkollektoren

Zum Beispiel wird angeregt, dass es  mehr Qualitätskontrollen der Handwerkskammern geben muss, da die Zuschussverteilung nicht transparent genug ist.  Turgut Aksoy hat die Erfahrung gemacht, dass einige Firmen nicht so seriös arbeiten wie er.  Der Anschaffungspreis wird besonders niedrig gehalten, einen Effekt gibt es dafür nicht.  Turgut Aksoy bildet aus, entwickelt neue Anlagen und finanziert sich selbst. Er schafft es gut alleine, aber die Rahmenbedingungen könnten an einigen Stellen besser sein, das betont er immer wieder.

Sylvia ist beeindruckt und begeistert von dem mutigen Unternehmergeist, der im Betrieb herrscht. Als später die Presse hinzu kommt, erzählt Turgut Aksoy noch einmal von seiner Unternehmensgründung und Sylvia stellt das Grüne Zukunftsprogramm für NRW vor. Besonders die energetische Gebäudesanierung bietet Chancen für die Bürgerinnen und Bürger in NRW. Mittelständische Betriebe würden gestärkt, Arbeitsplätze könnten entstehen, die Energiekosten könnten gesenkt und die Umwelt und das Klima gleichzeitig geschont werden.

13-15 Uhr, Gespräch mit der GEW

Von 13 bis 15 Uhr waren wir zu Gast bei der GEW. Sylvia und Vertreter der Gewerkschaft, Andreas Meyer-Lauber (Vorstand) und Michael Schulte (Geschäftsführer), haben sich über die Schulpolitik der letzten Jahre und die Grünen Konzepte für die Zukunft ausgetauscht. Es konnten große Übereinstimmungen in der Einschätzung der schulpolitischen Lage und notwendiger Veränderungen festgestellt werden. Gestärkt durch Kaffee und Kuchen machen wir uns jetzt auf den Weg nach Holsterhausen, um dort einen Wahlkampfstand zu besuchen.

Essen Holsterhausen

Sylvia vor ihrer alten Schule, dem B.M.V. in Essen

Das Wetter bleibt uselig, aber das hält uns nicht davon ab zur nächsten Station aufzubrechen. Die Grünen in Essen Holsterhausen haben Sylvia zu ihrem Wahlkampfstand am Marktplatz eingeladen. 15:30 Uhr wollen wir da sein. Auf dem Weg zeigt uns Sylvia einige Orte, mit denen sie viel Persönliches verbindet. Wir fahren zum Beispiel an dem Haus vorbei, in dem ihr Opa wohnte. Sie weiß sofort einige  Anekdoten zu erzählen und da wir gerade in der Gegend sind, machen wir auch noch einmal Halt bei ihrer alten Schule.  Beatae-Mariae-Virginis -Mädchengymnasium. Kurz B.M.V. Es ist das größte Mädchengymnasium Nordrhein-Westfalens und Sylvia hat dort ihre gesamte Schullaufbahn von der Sek I bis in die Sek II absolviert. Wir machen einige Fotos vor den Eingangstoren. Da Ferien sind, ist die Schule geschlossen. Auch hier kann uns Sylvia von einigen Erlebnissen berichten. Mit ihrer alten Schule ist sie bis heute verbunden.

Am Marktstand zeigt sich, dass das uselige Wetter die Essener nicht abschreckt. Es sind viele Marktstände aufgebaut, die sich um die örtliche Kirche versammeln. Auch hier eine Erinnerung: Sylvias Abiturjahrgang wurde vor dieser Kirche fotografiert.

Sylvia und Mehrdad Mostofizadeh

Am Stand der Grünen begrüßt uns Mehrdad Mostofizadeh, Grüner Landtagskandidat aus Essen. Zusammen mit Grünen aus seinem KV hat er den Stand aufgebaut und spricht die Marktbesucher direkt auf die kommende Landtagswahl an. Einige Marktbesucher nutzen ihre Chance sofort und sprechen mit Sylvia über alles, was sie bezüglich der Landespolitik bewegt. Dass die Wahl spannend wird, ist allen klar – und weit entfernt ist sie auch nicht mehr.

Ein Marktbesucher fragt Sylvia, wie viele Stunden sie im Moment in der Woche arbeitet. “80 und mehr”, kann sie nach kurzem Überlegen sagen. “Ich bin im ganzen Land unterwegs und ständig mit meinem Büro in Kontakt.”

Nach dem Standbesuch geht es für uns auch direkt weiter. Wir verlassen gegen 18 Uhr das Ruhrgebiet und reisen ins Münsterland nach Borken. Der letzte Termin findet auf einem Flugplatz statt. Die Grünen vor Ort haben eingeladen.

Über den Wolken…mögen die Kosten wohl grenzenlos sein

Als wir ankommen, ist auf dem Flugplatz trotz der fortgeschrittenen Zeit doch noch etwas los. Private Flieger starten in die Abendsonne, denn in Borken ist der Dauernieselregen des Ruhrgebiets nicht angekommen.  Der Flugplatz, der uns in Stadtlohn-Vreden bei Borken gezeigt wird, hat trotz der vielen Hobbypiloten ein Problem, das viele kleine Flugplätze haben – im Grunde trägt er sich wirtschaftlich nicht, durch ältere Verträge oder neuere Entscheidungen muss er allerdings am Laufen gehalten oder sogar noch ausgebaut werden.  In Stadtlohn betreibt sogar die Kommune den Flugplatz, da sie diesen schon vor längerer Zeit -aus Gründen, die hier nicht so umfassend dargestellt werden können – erworben hat.

Besichtigung des Flugplatzes

Hier liegt auch der Knackpunkt. Die Kommune muss für den Flugplatz aufkommen, der nur zu 5 Prozent von Wirtschaftsunternehmen genutzt wird. Lange schrieb der Flugplatz rote Zahlen und erst jetzt kann er  durch einige Einsparungen und Preiserhöhungen eine ausgeglichene Bilanz vorweisen. Was auf Dauer mit dem Flugplatz geschieht, ist noch völlig ungewiss. Problematisch für den Standort ist allerdings, dass in NRW viele kleine Flugplätze gefördert wurden und diese sich nun die wenigen Kunden, die tatsächlich eine Wirtschaftlichkeit garantieren würden, gegenseitig abjagen. Im Großen und Ganzen bedeutet das, dass sich viele Flugplätze nicht selber tragen können und letztendlich künstlich und teuer  am Leben gehalten werden – oft auch, weil einem Ausstieg langfristige Verträge und Förderbescheide im Wege stehen.

Sylvia im Tower des Stadtlohner Flugplatzes mit Blick auf die Start- und Landebahn

Die Borkener Grünen versuchen das Beste aus der Situation zu machen: Weiteren Ausbau  verhindern und den Fluplatz möglichst wirtschaftlich betreiben. Sie wünschen sich für die Zukunft eine Landesregierung, die nicht nur jeden Einzelfall im Flugverkehr betrachtet, sondern eine landesweite  Steuerung vornimmt und nicht jeden Flughafenbau per se genehmigt  oder durch unnötige Konkurrenz  in den Bankrott laufen lässt. Nur den Kopf in den Wolken zu tragen, wenn es um die Luftfahrt geht, führt also nicht zu mehr Weitsicht – es erhöht meistens nur die Kosten. Im Flughafen-Restaurant tauscht man sich noch länger über dieses Problem aus.

Rückkehr ins Ruhrgebiet

Mit den letzten Sonnenstrahlen verabschieden wir uns von den Borkener Grünen und dem Flugplatz Stadtlohn. Wir fahren zurück ins Ruhrgebiet, genauer gesagt ins Bergische Land, denn dort in Solingen ist Sylvia zuhause. Morgen früh wird der Wahlkampf an der Grünen Landesgeschäftsstelle noch einmal offiziell eingeläutet. Sylvia wird selbstverständlich dabei sein und zuvor noch mit den MitarbeiternInnen der  Landesgeschäftsstelle frühstücken. Starke Grüne für den Grünen Wahlkampf.

In diesem Sinne: Macht mehr möglich.

Fotos, Bericht und Begleitung:  Kristina Beer

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