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Sozialer Arbeitsmarkt im Sauerland
Kein Angebot von der Stange
Ein Kinderstuhl, ein „Mensch ärgere Dich nicht”-Spiel, ein bunter Hampelmann: alles aus Holz. Drei plastische Beispiele für die Arbeit des „Vereins für Reintegration in den Arbeitsmarkt Arnsberg e.V.“. Es ist eine tolle Arbeit, die hier geleistet wird. Das konnte ich heute bei meinem Besuch in Arnsberg erleben. Jedes Jahr kommen ca. 140 Menschen aus Arnsberg und Sundern in die ansprechenden Räumlichkeiten. Alles integriert in das große und schmucke Berufsbildungszentrum Arnsberg der Handwerkskammer Südwestfalen. Hier wollen sie den Sprung zurück in den ersten Arbeitsmarkt schaffen.
Für maximal drei Monate sind die Langzeitarbeitslosen hier, und viele finden einen Job. Seit 1997 hat das Team nur im Krisenjahr 2009 die angestrebte Vermittlungsquote von 50 Prozent unterschritten. Ansonsten eine echte Erfolgs-“Quote“! Denn das Ziel des multiprofessionellen Teams (zwei Lehrkräfte, ein Dipl.-Pädagoge, ein Tischlermeister, ein Psychologe, eine Sekretärin) ist: zurück in Arbeit!
Das geht nicht nach Schema F von der Stange, sondern nur mit einer professionellen, ganz individuellen Förderung. Kein Wunder, ist doch die Zusammensetzung der Gruppen höchst unterschiedlich. Vom Ungelernten ohne Schulabschluss bis zum U-Boot-Ingenieur, vom 20-Jährigen bis zur 60-Jährigen – Jede und Jeder ist anders, Jede und Jeder bringt die eigene Lebens- und Arbeitsgeschichte mit in den Verein. Und all das wird berücksichtigt. „Wir bieten eine Mischung aus Sozialarbeit und Pädagogik“, sagt die Lehrerin. Vom Einzelgespräch bis zur Teambildung ist alles dabei. Von Rechtschreibung über individuelles Bewerbungstraining bis hin zu klassischer Allgemeinbildung. Und eben auch das ganz Praktische, die Arbeit mit Holz. „Wer mit Holz arbeiten kann, kann auch mit allen anderen Werkstoffen zuverlässig arbeiten“, begründet der Tischler die Entscheidung des Vereins, gerade mit Holz zu arbeiten. Und wenn selbst jemand, der noch nie eine Säge in der Hand hatte, ein schönes selbst geschaffenes Werkstück mit nach Hause nehmen kann, ist das eine wunderbare Erinnerung an die eigenen Fähigkeiten. Und das alles in einer 40-Stunden-Woche. Damit alle das „richtige“ Arbeitsleben wieder kennenlernen.
Der Erfolg liegt natürlich auch an den über Jahre gewachsenen guten Verbindungen in die Wirtschaft des Hochsauerlandkreises. Insbesondere kleine und mittelständische Betriebe, wo die Chefinnen und Chefs noch persönlich erreichbar sind, werden von dem Team angesprochen. Dass der Verein unter einem Dach aus der IHK, der Handwerkskammer und der Volkshochschule arbeitet – und das auch im Briefkopf deutlich wird – öffnet Türen bei der Vermittlung.
Doch es ist nicht alles Sonnenschein für die Arnsberger. Nach 14 Jahren haben sie Angst vor dem Ende. Die Finanzierung läuft aus, eine neue Ausschreibung steht an, auf die sich der Verein bewerben wird und muss. Sie haben Sorge, dass sie zu teuer sind – setzen aber auf ihre hohe Qualität und langjährigen Erfahrungsschatz.
Ich kann nur hoffen – insbesondere für die vielen Langzeitarbeitslosen – dass dieses bescheiden Team mit seiner besonderen, hochqualitativen Arbeit weiterhin finanziert wird. Und so wünsche dem Verein nach diesem spannenden Termin einfach nur: Gut Holz!
Guten Morgen,
ich glaube das die Reintegration i den ersten Arbeitsmarkt für die Ausfüllung eines von Sinn getragenen Lebens ganz mitentschedend ist. Neben vielen anderen Faktoren wie, fester Wohnsitz, soziales Umfeld und eine freizeitmäßige Anbindung.
Allen Arbbeitssuchenden wie auch mir ganz viel Erfolg und den Mut nicht verlieren.
Geschrieben von Sibylle Lange am 26. Juni 2011 um 07:40 Uhr