Sylvia Löhrmann \ Blog \ Vermurkste Schulzeitverkürzung
Vermurkste Schulzeitverkürzung
2010 wird es eng in der Sekundarstufe II, zumindest auf dem Gymnasium. Denn parallel zum letzten Schülerjahrgang des neunjährigen Weges zum Abitur kommen die ersten SchülerInnen des gekürzten, achtjährigen Weges in die Oberstufe. Für die einen bedeutet das Klassenstufe 11, für die anderen Klassenstufe 10. Das klingt verdammt kompliziert und das ist es auch.
Die Landesregierung hat mit der Einführung des G8-Abiturs zeigen wollen, dass sie rasch handelt und alles flotter macht, eben auch den Weg zum Abitur. Damit hat sie eine wenig durchdachte Reform auf den Weg gebracht, die zahlreiche Probleme geschaffen hat und die letztlich auf dem Rücken der Schüler- und Lehrerschaft ausgetragen wird. Die Schulzeitverkürzung findet in der Sekundarstufe I statt, ohne dass die Lehrpläne entrümpelt wurden. So wurde ein Jahr Lehrstoff bei den anderen Schuljahren draufgesattelt. Das bedeutete mehr als 40 Stunden Schule für Dreizehnjährige; und das an Gymnasien, die auf Ganztagunterricht selten eingerichtet sind und wo es oft nicht einmal eine Mittagsverpflegung gibt. Und als die Kritik immer lauter wurde, beschimpfte die Ministerin die LehrerInnen und gab ihnen die Schuld am Turbo-Abi-Stress.
Der Stress in der Sekundarstufe I wird bleiben, neu hinzu kommt nun die schwierige Situation der parallel laufenden Oberstufen. Nicht nur hinsichtlich der Stundenplangestaltung eine Herausforderung für die Schulen.
Richtig kritisch wird es 2013, wenn beide Jahrgänge gleichzeitig Abitur machen. Dann werden 50 bis 60.000 SchülerInnen zusätzlich auf den Markt der Lehrstellen und Studienplätze drängen und sich in Folge verstärkt auch um die Lehrstellen bewerben, bei denen bislang Haupt- und RealschülerInnen überhaupt noch Chancen hatten.
Die Vorbereitungen der Landesregierung auf diese schwierige Situation verliert sich im Klein- Klein und erinnert eher an das Pfeifen im Walde, das Mut machen soll.
Wir Grüne haben früh auf die Gefahren hingewiesen und eine optionale Schulzeitverkürzung vorgeschlagen, die sich nach den individuellen Lerngeschwindigkeiten richtet. Ob 12 oder 13 Jahre sollte nicht zwangsverordnet sein, diese Erkenntnis dämmert mittlerweile vielen Bundesländern. Nur die NRW-Landesregierung zeigt sich unbeeindruckt. Zumindest vorläufig – bis zum 9.Mai.