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Nach uns die Sintflut

Gedanken über das Desaster von Kopenhagen und die Menschen, die es ausbaden müssen

Ian Fry muss ein duldsamer Mann sein. Wie würdet ihr reagieren, wenn euch die mächtigsten Männer und Frauen der Welt mitteilten, dass man nichts dafür tun werde, euer Land, eure Heimat davor zu retten, buchstäblich im Meer zu versinken? Was würdet ihr sagen, wenn die, die mit ihrer Art zu leben und zu wirtschaften, verantwortlich sind für diese absehbare Katastrophe, euch sagen würden, ihnen sei ihr Lebensstil sowie der vermeintliche ökonomische Vorteil wichtiger als das Überleben eures Landes? Würdet ihr aufstehen und eine deutliche, aber gleichwohl maßvolle Rede halten, wie es Ian Fry getan hat? Genau das bedeutete der Vorschlag der Regierungschefs in Kopenhagen, sich darum bemühen zu wollen, den Klimawandel auf einen Temperaturanstieg um 2 Grad zu begrenzen. Ian Fry war der Vertreter des Inselstaates Tuvalu in Kopenhagen. Tuvalu liegt im Pazifischen Ozean nördlich von Neuseeland und wird schon bei einer Klimaerwärmung um 2 Grad vom Erdboden verschwinden. Das Land wird ausgelöscht, die dort lebenden Menschen heimatlos.

Einige deutsche Zeitungen schrieben, Ian Fry sei zum Helden des Klimagipfels geworden, weil er sich dagegen gewehrt habe, sein Volk und dessen Zukunft für 30 Silberlinge zu verraten, wie er es in seiner Rede ausgedrückt hatte. Was erwarten eigentlich die Menschen und ihre Regierungen in den Industriestaaten von Menschen wie Ian Fry? Dass sie sich widerspruchlos in ihr Schicksal fügen? Ian Fry muss ein sehr duldsamer Mensch sein.

Was wäre denn die normale, die angemessene, die nachvollziehbare Antwort auf die Forderung der Regierung von Tuvalu gewesen, den Temperaturanstieg auf 1,5 Grad zu begrenzen, weil das die einzige Chance sei, sein Land zu retten? In meinen Augen konnte es darauf eigentlich nur eine Antwort geben: „Wir wissen zwar nicht, ob wir es schaffen, aber wir werden alles dafür tun! Wir werden alle – jeder für sich und wir alle gemeinsam – darüber nachdenken und entscheiden, was getan werden kann, was jeder von uns, jedes Land, jedes Unternehmen, jeder einzelne Mensch dafür tun kann, die Heimat der Menschen von Tuvalu zu bewahren. Wir werden Maßnahme für Maßnahme zusammentragen und vereinbaren, was wer tun wird, um den Temperaturanstieg in der Erdatmosphäre zu stoppen.“

Nur das wäre eine angemessene Antwort gewesen. Aber diese haben Präsident Obama, Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Hu Jintao nicht gegeben. Ihnen war die Art, wie wir leben und produzieren, wichtiger als das Überleben von Tuvalo. Ihre Entscheidung in Kopenhagen heißt: Nach uns die Sintflut – im wahrsten Sinne des Wortes.

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